Donnerstag, 20. Juli 2017

Elesztrah - Fanny Bechert

Lysanna, eine Elfe mit verborgenen Fähigkeiten. Aerthas, ein Elf, der ihre Schatten teilt. Beide treffen mit einem gemeinsamen Ziel aufeinander: Den flammenden Lord besiegen. Dabei hat Lysanna eine besondere Motivation, schließlich hat ihr Widersacher ihren menschlichen Geliebten Mitzum in seiner Gewalt. Doch während der Vorbereitungen auf den großen Kampf kommen Lysanna und Aerthas sich näher und entdecken, dass sie weit mehr gemeinsam haben, als sie ahnen.

Ich habe das Buch letztes Jahr nach der Messe bestellt, nachdem ich am Stand keines mehr ergattern konnte. Nun habe ich es endlich gelesen und ich gebe ehrlich zu, dass ich nicht der Typ für High-Fantasy bin. Ich liebe fantastische Welten und Magie und alles, was dazu gehört. Aber irgendwie fehlt mir in solchen Geschichten oft der Bezug zum Hier und Jetzt. Bei Elesztrah hatte ich Schwierigkeiten, mich in diese Welt hinein zu versetzen, weil es mein erstes reines High-Fantasy Buch mit Elfen und Trollen und anderen Wesen war. Dennoch hat mich die Geschichte dann nach 2/3 nicht mehr loslassen wollen. Trotz einiger Zeitsprünge, die die Autorin gekonnt überbrückt hat, kam ich entgegen meiner Schwierigkeiten mit dem Genre in dieser Welt ganz gut zurecht. Wenn es auch dennoch ein wenig befremdlich blieb, aber das ist Geschmackssache.

Dienstag, 4. Juli 2017

Andernach schmeckt - Nach (Man)gold und Cupcakes

Ein Wochenende im Jahr besticht die Innenstadt von Andernach mit den köstlichen Düften von frisch gegrilltem Fleisch, süßen Backwaren und auch fruchtigen Cocktails. International geht es zu auf diesem Event der Geschmacksnerven, auf dem nicht nur die deutsche Küche eine Bühne findet. Ich konnte leider nicht an allen Ständen probieren, mein Magen war zu schnell vollgestopft mit Leckereien. Aber der Besuch hat sich gelohnt und er lohnt sich in jedem Jahr, denn wann sonst trifft man so viele bunte Menschen in der Heimat, wenn nicht auf diesen Veranstaltungen der Stadt Andernach (Auch zur Kulturnacht, zu der ich in diesem Jahr leider nicht gehen kann x_x)? Ich gehe gerne hin und schaue mir die Massen an, wie sie durch die Straßen flanieren und genießen. Und ich gehe mit ihnen und spinne im Kopf meine Geschichten, angeregt von der Stimmung auf dem Fest.


Der Ausflug begann mit einem Grummeln. Es war 13:00. Mein Magen knurrte und ich musste raus! Ich hatte die letzten Stunden in House of Night-Universum verbracht und war vollkommen ausgehungert. Wie gut, dass diese städtische Street Food Veranstaltung nicht weit von meiner Haustüre bereits auf mich wartete. Und dass mir ein guter Freund noch den (Man)gold am Stand des Rathauses angeprangert hatte. Das erste Ziel war also klar. Ich bewaffnete mich mit der Kamera, machte mich auf den Weg zu Manfred und Kollegen. Am Stand des Rathauses angekommen, fing zunächst etwas ganz anderes meinen Blick ein. Bunt bestrichene Brote in den Auslagekästen. Italienischer Frischkäse, Ingwer-Minze, Tomatenbutter und vieles mehr. Auf die Frage, ob ich gerne ein Brot hätte, musste ich nicht lange überlegen. Und ich bekam sogar drei, womit die Wahl aus der Fülle des Angebots schon gar nicht mehr so schwer fiel. Kurz darauf fand ich auch Manfred, der mich begrüßte und natürlich das Gespräch sofort wieder auf den (Man)gold lenkte, dessen Zutaten überwiegend aus der essbaren Stadt Andernach stammten. Außerdem hatte er ihn gemeinsam mit einem Kollegen am Vorabend mit viel Liebe und Mühe zubereitet. Der beste (Man)gold, den man sich vorstellen kann. Ich nahm gleich nach dem Brot ein Stück von dem in Blätterteig gehüllten Gemüse. Und ich konnte von diesem Stück kein Foto machen, so schnell habe ich es anschließend gegessen. Und so satt war ich. Aber ich ging nicht, bevor ich nicht wenigstens die fleißigen Damen und Herren am Stand einmal geknipst habe ;). Außer Manfred, der in diesem Moment außerhalb des Bildes stand. Aber den findet ihr auf seinem Blog mit Foto ;). 

Direkt nebenan gab es fruchtige Cocktails ohne Alkohol. Auf dem Weg zu meinem ausgiebigen Verdauungsspaziergang nahm ich prompt einen mit. Ich fühlte mich dezent übersättigt und schlenderte erst einmal in Richtung Museum, in dem es römisches Brot und Bratwurst gab, die ich aber in diesem Moment leider nicht essen konnte. Ich machte dann einen Schlenker über den Parkplatz, um die alten Traktoren zu bewundern. Schöne Maschinen, von denen ich keine Ahnung habe. Aber als Kinder sind wir immer sehr gerne darauf mitgefahren. Und ebenso schön fand ich später auch die Autos auf der Oldtimer-Ausstellung am Rhein. Irgendwie haben diese Kunstwerke aus einer anderen Zeit einen vollkommen anderen Zauber als die heutigen Karosserien, die eher schlicht und zweckmäßig als schick auf mich wirken. Ich mag das Markante an den alten Wagen, gerade das macht die Kunst für mich aus.

Im Garten an der Stadtmauer fand ich Reihum die Stände unterschiedlicher Andernacher Vereine, von denen ich zu meinem Erstaunen nicht viele kannte. Weltfremd in der eigenen Heimatstadt zu sein ist ein eigenartiges Gefühl. Man steht im Getümmel und kriegt nichts mit. Vielleicht schotte ich mich wirklich zu sehr ab und sollte mehr am Leben da draußen teilhaben. Andererseits wartet daheim ein aufmerksamkeitshungriges Gerät auf dem Schreibtisch, das mit Tastenanschlägen gefüttert werden will. Diese Computer sind eigenwillige Geschöpfe, besonders die mit einem Manuskript auf der Festplatte. Und das Zeitmanagement ist das eigenartigste Tier von allen, kann es doch nicht mehr als zu jammern. Aber ich schweife ab :).

Ich lauschte noch einen Augenblick der Musik der Band auf der Wiese und ging dann weiter, vorbei am Rhein zurück zur Buchhandlung Ankerbuch, die kürzlich in das alte Rathscafé eingezogen war und nun auch Kaffee und Kuchen anbot. Und Bücher. Eine tödliche Kombination, wie mein Geldbeutel ständig warnte. Aber ich blieb stark und gönnte mir statt einem Buch lieber ein paar Cupcakes, die leider so süchtig machen, dass ich nun wohl öfter dorthin muss und früher oder später dabei auch Bücher kaufen werde. Ein Teufelskreis, wenn auch ein willkommener. 


In der Buchhandlung traf ich dann Manfred wieder, der es sich dort zwischenzeitlich mit Isabel (hier ihr Blog ;)) gemütlich gemacht hatte. Seit wir uns im Andernacher Schreibkurs bei Gabriele Keiser kennen lernten, sind wir ein eingeschworenes Team von kreativen Köpfen. Und nicht nur Manfred und Isabel, auch die anderen Mitglieder der Gruppe machen den Andernacher Schreibkurs zu einem Highlight der Woche. Denn irgendwie sind wir über die Monate hinweg mehr geworden, als ein gewöhnlicher Schreibkurs. Gemeinsam genossen wir drei also einen Espresso Macchiato und viel zu leckere Cupcakes, die nach dem Verdauungsspaziergang nur gerade so Platz im Magen fanden. Der (Man)gold war ganz schön herrisch, was das betraf, räumte er den Backwaren doch nur wenig Raum zur Entfaltung ein, sodass ich auf dem Weg zum Museum dann den letzten Cupcake als Gebäck to go mitnehmen musste. 


Im Museum entspannten wir von den letzten Stunden, ließen uns dort auf den bequemen Palettenmöbeln nieder. Wir lachten und erzählten und ich schlürfte noch ein Andernacher Bier, denn Flüssigkeit stieß der (Man)gold nicht ab. Schade um den Cupcake, der den restlichen Abend neben mir auf den Paletten saß und darauf wartete, verspeist zu werden. Ich aß ihn dann, als ich schließlich zuhause ankam. Gesättigt von den Erlebnissen des Tages und irgendwie bar sämtlicher Emotionen. Aber es war keine depressive Leere. Es war die Gewissheit, dass ich einen Tag meines Lebens mit Freude gefüllt hatte und dass dieser Tag nun vorüber war. Eine Zufriedenheit im Geiste, Klarheit und der Wunsch, nun auszuruhen in vollkommener Stille in den eigentlich nie still stehenden Gedanken. Schlecht für die Arbeit am Manuskript. Gut für den Kopf ;).

Sonntag, 2. Juli 2017

House of Night - Loved von P.C. und Kristin Cast

House of Night ist meine Welt. Ich bin in dieser Hinsicht wie ein Potterhead, nur eher ein HoNhead auf die Vampyr-Reihe bezogen. House of Night ist nicht so groß wie Harry Potter. Aber es ist voller Liebe. Eine Liebe, die meine Seele vor langer Zeit geheilt hat. Ich habe es heute bemerkt, als ich Loved zuklappte, was diese Reihe wirklich für mich ausmacht. Und da ist so vieles, das ich dazu sagen könnte.

Vor vielen Jahren fand ich ein Buch, das mich aus meinem Schneckenhaus lockte. House of Night - Gezeichnet. Ich las es und war noch nicht vollkommen verfallen bei Band 1, aber ich war schon irgendwie süchtig. Und spätestens ab Band 2 und 3 war es um mich geschehen. Ich war bis über beide Ohren verliebt und ich habe zum ersten Mal wirklich eine solche Liebe gespürt. Die Liebe und Begeisterung für Bücher, obwohl ich schon seit Jahren gelesen habe. Ein Schleier von Depression hing ja doch immer irgendwo über mir, mal mehr mal weniger, und so erreichte nicht jede Zeile von den wundervollen Werken vor House of Night mein Herz. Versteht mich nicht falsch, ich habe Bücher schon immer mit Freude und Leidenschaft verschlungen, aber ich habe keines je so geliebt wie die Vampyr-Reihe. Und ich fand andere Menschen, die die Reihe liebten - vielleicht nicht so sehr wie ich, aber sie liebten sie. Und ich fand Freunde, die ich bis heute nicht missen will. Aber ich rede zu viel, das soll schließlich eine Rezension sein ;).

Samstag, 1. Juli 2017

Superbia - Deadly Sins Saga (Band 2) von Lana Rotaru

Es ist soweit! Die erste Prüfung steht an. Avery muss sich, um ihr Leben zu retten, Aufgaben um die Sieben Todsünden stellen. Sie hatte die Wahl und sie hätte einfach sterben können. Aber sie wählte die Aufgaben und wenn sie versagt, stirbt sie doch. Avery gibt sich dem Schicksal nicht geschlagen, sie schlägt zurück. Mit Adam und Knox an ihrer Seite, letzterer ein eher unwillkommener Geselle, ist er doch ein Dämon, der bevorzugt den schönen Frauen frönt. Es ist längst zu spät. Avery hat gewählt und die Schicksale der drei sind aneinander gekettet. Doch was erwartet sie in der ersten Prüfung, der Aufgabe zur Sünde des Hochmutes?

Es geht los, wie es im letzten Band endete. Avery und Adam gehen vorerst normal weiter zur Schule und versuchen herauszufinden, worum es sich bei der ersten Prüfung handelt. Dabei lüftet Avery so manches Geheimnis um diverse Mitschüler, was mich nach dem Cliffhanger im Vorgängerband schon fast nicht mehr überrascht hat. Es folgen die üblichen Keifereien mit Knox, der einen anzüglichen Spruch nach dem anderen raushaut. Ich muss zugeben, das hat mich nach einer Weile ziemlich genervt. Schließlich geht die Reise bald in das Reich der Feen, wo Avery, Adam und Knox die erste Aufgabe vermuten.

Freitag, 30. Juni 2017

Blue Whale - Der Tod ist (k)ein Spiel

Blue Whale. Ein Spiel, 50 Aufgaben, ein Sieg. Wer am Ende des Spiels durch die eigene Hand stirbt, der gewinnt. Schockiert sitze ich vor dem Bildschirm, als ich davon lese. Und ich stelle mir eine Frage, die für euch sicher ungewöhnlich klingt: Hätte ich damals den finalen Schritt mit diesem Spiel gewagt und wenigstens ein bisschen Ruhm mit ins Grab genommen? 

Zur Erklärung eine kleine Zeitreise in das Bewusstsein eines achtjährigen Mädchens, das nicht mehr leben wollte. Das einsam war und sich nach Liebe sehnte, jedoch nur Ablehnung erntete. Und so lernte sie, sich selbst und die Menschen zu hassen. 

Freitag, 16. Juni 2017

Ein Herz aus Eis und Schnee

Die Hitze drückte seit Tagen auf Carlas Gemüt. Der Sommer schlug mit Temperaturen über der vierzig Grad Marke um sich und Schatten war Mangelware. Und bei diesem Dreckswetter musste sie nach draußen. Raus aus ihrer schönen, klimatisierten Wohnung, hin zur Arbeit. Ein Büro, das sicher noch einige Grade höher kochte, als die Sonnenbank der Außenwelt. Carla schüttelte den Ekel von ihren nackten Schultern. Entgegen dem üblichen Dress Code verzichtete sie einfach auf den schicken Business Look. Scheiß auf das Aussehen, es war verdammt heiß! Die weißen Shorts gaben den Blick auf den Ansatz ihres Hinterns preis und das Top ohne Träger hockte locker auf ihrer Brust, gehalten allein von Carlas angehaltenem Atem. Später würde es an ihrer Haut kleben und keinen Millimeter mehr verrutschen.
Mutig drehte die junge Frau den Schlüssel im Türschloss. Jede Sekunde würde ihr eine schwüle Wand entgegen schlagen und vermutlich die wundervolle Kälte der Klimaanlage aus der Wohnung saugen. 
Die Uhr tickte erbarmungslos an Carlas Handgelenk. Sie begann, die Zeit zurück zu zählen. Ihre Finger schlossen sich um den Türgriff. 
“Drei…”
Das kühle Metall begrüßte ihre vor Angst schwitzige Haut. Sie musste fest zugreifen, um nicht abzurutschen.
“Zwei…”
Langsam, nur um Millimeter, senkte Carla den Griff. Dass die Tür bloß nicht aufsprang, ehe sie bei der Null ankam.
“Eins…”
Ein Beben pulsierte durch Carlas Innerstes. Ein unangenehmes Kribbeln, wie die Taubheit, wenn man zu lange auf den eigenen Beinen gesessen hatte. Sie wollte nicht in dieser Hölle dort draußen Brutzeln!
“NULL!!!”

Montag, 5. Juni 2017

Die Schöpfer der Geheimnisse - Teil 5: Frühling in der Luft

„Bleib stehen! Ich rede mit dir!“, rief Lara wie eine aufgebrachte Furie. Elanie suchte ihr Heil vermeintlich in der Flucht. Eigentlicher Sinn ihrer schnellen Schritte war jedoch, die Windbändigerin von den anderen Schülern fortzulocken. Ein vier Augen Gespräch hielt das Erdmädchen für überfällig, hatte sie doch bislang nur als geheimnisvolle Fremde agiert. Elanie spürte, dass es an der Zeit war, den direkten Kontakt mit den Mädchen aufzunehmen. Weder mit Wibke noch mit Felicia hatte sie auch nur ein Wort gewechselt, nachdem sie die Ringe zu ihnen brachte. Beide Male wären fast in einer Katastrophe geendet. Elanie war gerade noch rechtzeitig eingetroffen.
„Wirst du wohl…“, fluchte Lara. 
Elanie spürte den Windhauch, der die Wut von Lara begleitete. Wie ein Flüstern zog er an ihr vorüber. Der Ring dämpfte die Macht des Mädchens, sodass sie sie mühsam bündeln musste, um sie zu nutzen. Ohne den Ring wäre Elanie längst von einem Tornado hinfort geweht worden. Ein Glück, dass Lara ihn nicht wieder von ihrem Finger gerissen hatte.

Sonntag, 28. Mai 2017

Die Schöpfer der Geheimnisse - Teil 4: Der Erde entsprungen

„Elanie? Elanie, wach auf!“
Elanie schreckte auf. Zwei Hände schüttelten ihren Körper, der sich noch im Halbschlaf befand. Als sie endlich ins Wachsein glitt, schnellte ihr Kopf beinahe gegen den ihres Gegenübers. Ihre Mutter saß mit besorgtem Blick an ihrem Bett und musterte das Kind argwöhnisch. Mit beiden Händen umklammerte sie die Schultern der Tochter.
„Was war denn los?“, fragte Elanies Mutter und erst da erinnerte das Mädchen sich.
„Alptraum“, murmelte sie, schlug die Decke wieder über ihren Kopf und drehte sich um. Eine Träne kullerte aus dem linken Auge, doch sie blinzelte das unerwünschte Objekt weg. Nein. Es war alles gut. Es war nur einer dieser Alpträume, die sie seit dem Vorfall heimsuchten.
„Schatz, das kann so nicht weiter gehen. Schon die ganze Woche verbringst du im Bett, gehst nicht mehr vor die Tür und hast jede Nacht Alpträume. Ich höre dich bis nach unten schreien. Bist du sicher, dass du nicht mal einen Termin mit Dr. Samson machen willst?“
„Mir geht es gut, Mom“, murmelte Elanie genervt. Sie zog eines der Kissen auf der anderen Seite des großen Doppelbettes heran und legte es auf ihr Ohr, damit sie die Tiraden ihrer Mutter nicht mehr anhören musste. Ein verzweifelter Seufzer erklang, ehe die Tür ins Schloss fiel. Endlich allein. Mit sich und ihren Alpträumen in einem Raum. Was kümmerte es sie? Lieber hier mit ihnen als dort draußen mit den wahren Schatten. Sie hatte sie gesehen. Hatte gesehen, was sie mit ihren Freunden angestellt hatten. Und sie war machtlos gewesen, den Fähigkeiten in ihrem Blut zum Trotz. Die Seelen der Freunde waren vor ihren Augen zerfallen in ein dunkles, kaltes Nichts. Unwiederbringlich. Elanie zog die Beine an und schlief in Föten Stellung wieder ein. Ein unruhiger Schlaf, denn die Bilder kehrten immer zurück, wenn sie die Augen schloss. 
In der Schublade lagen noch die Ringe, die sie hatte retten können. Doch sie strahlten nicht mehr. Nicht einmal ihr eigener hatte den Glanz in seinem Inneren, der einst ihr Gemüt zum Leuchten brachte, wann immer sie traurig war.

Sonntag, 14. Mai 2017

Die Schöpfer der Geheimnisse - Teil 3: Von Luft umgarnt

Hausarrest und Handyverbot waren so ziemlich die letzten beiden Worte, die Lara hören wollte. Ihre Eltern hatten am Morgen nach der Party ein verkohltes Haus vorgefunden und entsprechend reagiert. Es war doch kein Problem für die reiche Familie, sich ein neues Heim zu kaufen. An Geld mangelte es wohl kaum. Was machte da schon eine Villa mehr oder weniger? Lara verstand den Kern des Problems nicht. Klar, eine Strafe musste sein. Erziehung, Lerneffekt, was auch immer. Aber war denn wirklich diese Form von Bestrafung notwendig? Hausarrest und keine Verbindung mehr in die Außenwelt? 
Lara zuckte mit den Schultern und starrte aus dem Fenster der Limousine, in der sie auf die Rückkehr ihrer Eltern aus der Bruchbude wartete. Sie begutachteten den Schaden nun zum dritten Mal. Die Inneneinrichtung der Villa war größtenteils hinüber, aber an und für sich war das Haus nicht zerstört. Es war einfach nur ziemlich renovierungsbedürftig. Wer Geld wie Heu hatte, konnte sich locker einige Nächte im Hotel und eine aufwendige Instandsetzung des Hauses leisten. Aber besser wäre doch eigentlich, gleich ein neues Heim anzuschaffen. Lara träumte ohnehin seit langer Zeit von einem zweiten Zimmer. Die Gelegenheit bot ihren Schopf und sie mussten lediglich zugreifen.
„Junge Dame, dass du in deinem Alter mal eine Party schmeißt, sobald wir weg sind, war ja zu erwarten. Aber das ist der absolute Gipfel! Eigentlich sollten wir dich dafür noch gleich in ein Internat stecken!“
Lara fand, dass ihre Mutter übertrieb. 
„Meinst du? Sei nicht so dramatisch, Mutter. Häuser brennen ab und an mal, das nennt sich Unfall. Und außerdem habe ich nicht dafür gesorgt, dass die Bude Feuer fängt.“
Während ihre Mutter wie ein übervoller Luftballon zu platzen drohte, ignorierte das Mädchen die angespannte Atmosphäre. 
„Komm raus da.“ Knochige Finger legten sich um Laras Handgelenk und zerrten sie gewaltsam aus der Limousine. 
„Lass mich los!“
„Hier. Findest du das etwa nicht dramatisch? Lara, du hast ein Haus abgebrannt!“
„Fast!“, jammerte Lara. „Es steht noch. Die Feuerwehr sagt, dass es nicht so bald einstürzen wird.“
„Wie naiv bist du eigentlich? Haben wir dich so erzogen?“
Lara schnaubte, verschränkte die Arme vor der Brust und wandte den Blick ab. Genau genommen hatten ihre Eltern sie gar nicht erzogen. Sie kämpfte für sich allein, wann immer sie musste. Außerdem bekam sie stets alle Annehmlichkeiten, nach denen sie fragte. Lara bestellte und Vater und Mutter lieferten. 
„Hast du etwa den Schnaps deines Großvaters an deine Freunde verschenkt?“, unterbrach ihr Vater empört den Streit zwischen Mutter und Tochter, nur um einen neuen Grund für die allgemein negative Stimmung beizutragen. 
„Wie hast du das angestellt?“, wollte ihre Mutter wissen. „Was treibt ihr Teenager in diesem Alter nur? Wir haben früher nicht so gefeiert.“ 
„Keine Ahnung, plötzlich hat alles gebrannt! Ich habe gar nichts gemacht!“
Laras Vater brummte. „Dann war es einer der Harlunken unter deinen Gästen. Ich wusste, dass dir diese Pseudo-Freunde nicht guttun!“ 
Gemeinsam verließen sie die beinahe Ruine auf dem Weg zum teuren Vehikel auf der anderen Straßenseite. Laras Mutter redete ohne Unterlass, doch das Mädchen hörte längst nicht mehr zu. Sie verschloss die Ohren vor den Worten. Sie wusste, wer ihr den Schlamassel eingebrockt hatte. Sie wusste nur nicht, wie. Kein Alkohol der Welt konnte ihr die Erinnerung an die gestrigen Ereignisse nehmen. Felicia hatte gebrannt. Sie selbst war das Feuer gewesen. Nur wie hatte sie das angestellt? War sie eine Pyromanin? Ein Schamane? Oder doch eine mutierte Missgeburt, wie sie sie während der Party genannt hatte? Fragen über Fragen. Sie würde das Miststück am nächsten Tag in der Schule persönlich zur Rede stellen.
„Wo ist dein Handy?“, fragte Laras Mutter. Widerwillig kramte sie das Smartphone aus der Handtasche und reichte es ihr. Ein Statussymbol weniger. Aber den Status, den hatte sie noch!

Sonntag, 7. Mai 2017

Die Schöpfer der Geheimnisse - Teil 2: Im Wasser geboren

Der Streit war unüberhörbar. Wibke ging mit leisem Seufzen an den beiden Mädchen vorüber. Lara legte sich selten mit Schülern unter ihrem Niveau an. Es musste etwas von höchster Wichtigkeit sein. Und höchste Wichtigkeit bedeutete bei Mädchen wie Lara schon, dass jemand ihr T-Shirt beleidigt hatte. Doch kaum fiel das Wort ‚Party‘ in Kombination mit den Satzfetzen ‚Nicht kommen‘, ging Wibke ein Licht auf. Offenbar wollte das andere Mädchen zu Laras Party am Wochenende gehen und diese begrüßte den Gedanken nicht sonderlich. Wibke kannte Laras aktuelle Konkurrentin nicht persönlich, hatte sie ab und an gesehen, doch das war auch schon alles. Mit einem raschen Seitenblick nahm Wibke die Szene auf. In der Luft knisterte das Unbehagen wie winzige Blitze. Laras Tonfall sprach Bände und in den Augen der Gegnerin loderte ein Waldbrand.