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Samstag, 25. Juni 2016

Speeddating

„Partnerwechsel!“, schallte die Stimme des Moderators durch die Lautsprecher. Der nächste Vollidiot kam an den Platz vor mir und ließ sich locker auf den Stuhl fallen. Seine Haare glänzten von zu viel Gel, sicher trug er die gesamte Tube auf dem Kopf. Sein Gesicht war die reinste Pickellandschaft und auf seiner Nase thronte eine dicke Hornbrille. Ein Klischee-Nerd. Er hatte etwa dreißig Sekunden Zeit, sie von sich zu überzeugen, und Melanie hatte ihn jetzt schon aussortiert. Der arme Kerl war längst als Versager gebrandmarkt. Die Glocke schellte, die Runde begann.
„Hi, ich bin Dennis“, sagte er und grinste anzüglich. Oh nein, auch noch so einer.
„Melanie, freut mich“, erwiderte sie und dachte sich: Nein, bitte nicht.
„Hast du Hobbys? Was machst du so?“, fragte der Nerd.
„Ich geh gern shoppen, am liebsten mit der EC-Karte eines reichen Mannes an meiner Seite. Schleppe täglich zehn bis fünfzehn Tüten aus Designerläden nach Hause und nachdem mein letzter Freund die Flucht ergriffen hat, weil er mir keine Schuhe mehr kaufen konnte, suche ich einen Neuen.“ Melanie kräuselte die Lippen zu einem bösen Lächeln und der Mann zuckte zusammen. Bingo. Irgendwie wurde sie die lästigsten Typen doch immer los. Dennis schwieg – verängstigt von ihrer dominanten Art – bis der Moderator sich erneut meldete und er endlich den Tisch verlassen konnte. Wie ein verschreckter Welpe entfernte er sich vom Platz an ihrer Seite. Das war also Nummer 8. Melanie seufzte, bei diesem Speeddating trieben sich nur Trottel herum. Und so wie die Dinge aktuell standen, war sie sogar einer von ihnen.
„Kurze Pause, Leute. In einer halben Stunde geht es weiter, bis dahin erhaltet ihr köstliche Cocktails drüben an der Bar. Genießt ein wenig die Atmosphäre.“ Na endlich!

Donnerstag, 23. Juni 2016

Vom Anfang in der Mitte

Ich beginne heute eine Reise, die schon längst begonnen hat. Ich beschreite einen Weg, dem ich bislang nur im Unterbewussten folgte. Ich hole meine tiefsten Wunden an die Oberfläche. Lasse den Schmerz und die Verwirrung zu. Ein Strudel aus Bildern und Gedankenfetzen reißt mich in die Tiefen meines Selbst. Was ist real. Was ist es nicht. Alle Eindrücke des Seins, sie überfordern mich. Wie kann ein Leben so voll sein, so unendlich voll, dass es sich doch so leer anfühlt? Ich verstehe nicht, dass ich die Welt sehe, wie ich sie sehe. So selbstverständlich mit den Augen zu blicken. So trostlos, die Antwort nicht zu kennen. Ich verschließe die Fenster meiner Seele mit den dünnen Lidern, ein Vorhang aus Haut, der mich abschirmt vor der Freiheit. Der mich beschützt, dass ich nicht sehen muss, wozu Leben fähig ist. Angst zu leben. Angst zu viel zu leben. Angst, sich mit Leben zu verzehren, sich in der Sucht am Leben zu verlieren. Die Lust, die Sehnsucht nach mehr. Immer mehr und mehr, bis man das Mehr nicht weiter erträgt. Ich verstehe mein sehnen nicht, noch meinen unstillbaren Durst. Mit keinem Geld der Welt könnte ich kaufen, was ich wahrlich will. Ich will alle Farben, Facetten, Gefühle schmecken. Ich will im Rausch vergehen und neu auferstehen. Ich will Gedanken in Buchstaben auf Papier verwandeln und meine Geschichten in die Welt tragen. Mit einer Feder bewaffnet stelle ich mich dem großen Sein. Ich kritzle nieder, was mein Kopf nicht halten kann. Schreibe auf, was mir aus den Ohren quellt, einfach, weil kein Platz für so viel von mir in meinem winzigen Gehirn ist. Ich bin zu viel von mir selbst, bin in mir über mich hinaus gewachsen. Ich hinterfrage das Leben und es zu leben ist die Antwort. Ich bin nicht zufrieden, denn meine Kehle brennt. Der letzte Schluck Freude war nicht genug. Und so strahle ich wie die Sonne, mit Liebe, mit Angst, mit Kummer, mit Frohsinn, strahle in alle Richtungen, blende die einen, erleuchte die anderen. Bis all meine Energie sich erschöpft. Bis ich zur Ruhe komme. Bis ich zu betrunken von all dem bin, was mich ausfüllt. Und so liege ich darnieder. Und ich schlafe. Und träume weiter von allem, was mein Kopf am Tage nicht verlieren konnte. Und bin immer noch so über mir in mir selbst.

Himmel oder Hölle

Hoch oben an einem langen Tisch saß der Richter. Irgendwie hatte ich mir das alles anders vorgestellt. Nach dem Tod fuhr man entweder in den Himmel oder zur Hölle. Und nun stand ich auf einer Wolke und starrte einen Mann mit weißer, lockiger Perücke an. Schulterlange, weiße locken hingen an seinem Gesicht herunter. Rechts neben ihm saß ein Engel und zu seiner Linken ein Teufel.
„Was geht denn hier ab?“, fragte ich den Richter mit unsicherer Stimme. Er belächelte meine Gestalt und wandte sich ab. Mit einer Schreibfeder kritzelte er Notizen in ein Buch. Er sprach kein Wort. Ich fühlte mich in der Zeit zurück versetzt. Es war ein Klischeebild, das nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatte. Und doch schien diese Situation real. Der Richter steckte die Feder in eine dafür vorgesehene Halterung und faltete die Hände wie zum Gebet. Ein leises Räuspern, dann sprach er endlich: „Name?“
„Allison Miller“, antwortete ich gehorsam. Lieber nicht maulen, wer weiß wie der weißhaarige sonst reagiert. Ob er einen Hammer hatte, den er werfen konnte? Oder würde der Teufel Feuer speien oder der Engel mit Sternen schießen?
„Alter?“
„Sechzehn.“
„Datum des Todes?“
„Was soll diese dumme Fragerei? Heute natürlich! Sehe ich irgendwie lebendig aus? Ich steh auf einer gottverdammten Wolke.“ Der Engel sog scharf die Luft ein.

Mittwoch, 22. Juni 2016

Willkommen zurück!


Hallo!

Willkommen auf dieser wiederbelebten Seite. Vor Jahren war die Schmökerbucht schon einmal aktiv, als reiner Rezensionsblog. Es hielt nicht lange an, die Zeit mangelte, Stress nagte an meinen Nerven, ich postete immer unregelmäßiger und gab das Projekt schließlich auf. 

Die Entscheidung, diese Seite erneut zu öffnen, traf ich bereits im Oktober auf der Buchmesse. Im Gespräch mit anderen Bloggern und Buchverrückten, die Dingen wie Zeitmangel wacker ins Gesicht lachten, kam mir die Idee, einfach wieder anzufangen. Aber ich verwarf es schnell. Im Umzugsstress ging der Gedanke wieder vollkommen unter und ruhte über ein halbes Jahr. Und jetzt bin ich hier und tippe. Und ich hoffe, wer immer zu meinen neuen Lesern zählt - vielleicht finden auch ein paar alte wieder her - dass es ihnen in der Schmökerbucht gefällt. 

Was euch erwartet?

  • Rezensionen
    Der SuB ist groß. Nicht groß wie bei manch anderem, aber ich kaufe aktuell mehr Bücher, als ich lesen kann. Die Onleihe ist ein zusätzlicher, segenreicher Fluch. Bücher online leihen? Gefährlich für die lange Liste, da schlummert schon lange Zeit ungeduldiges Papier in meinem Regal, das will nicht immer aufgeschoben werden ;).
  • Neuzugänge
    Wie schon gesagt, ich kaufe mehr, als ich lesen kann. Obwohl ich mir geschworen habe, dieses Jahr nicht noch mehr zu kaufen, ist ja für alle Fälle noch die Kategorie Neuzugänge hier. Sollte es mal passieren, dass mich wieder ein eBook Deal reizt oder ich unbedingt etwas in der Onleihe ausleihen muss. Wie heißt es so schön: Nobody is perfect. Erst recht keine Buchsüchtige.
  • My Stories
    Wer schon  bei "Über mich" gelesen hat, der weiß, dass ich das Schreiben liebe. Und nochmal: Ich liebe Schreiben! Hier findet ihr Kurzgeschichten von mir und vielleicht auch den ein oder anderen Ausschnitt aus meinem Roman-Projekt. Es steht gerade erst am Anfang, aber ich habe noch einiges vor.
  • "Inspiriert"
    Täglich treffen wir Menschen oder betreten Orte, die uns auf irgendeine Art und Weise verzaubern. Ich halte diesen Zauber der kleinen Dinge gerne in kurzen, tagebuchähnlichen Texten fest. Die kann ich doch unmöglich für mich alleine behalten, oder? Und auch mal die ein oder andere Schreibblockade und Möchtegern-Autoren-Frustration gibt es hier. Ihr dürft gespannt sein ;).

Die erste kleine Geschichte wird morgen Mittag folgen und auch ein kleiner Vorgeschmack auf die Kategorie "Inspiriert" folgt am frühen Abend ;). Bis dahin: Wir lesen uns :).