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Freitag, 22. Juli 2016

Über das Sterben der Menschlichkeit

Es macht mich traurig, deshalb meide ich Nachrichten, Zeitungen, Google News. Ich ertrage diese Katastrophen nicht mehr. Ich will mir über nicht mehr Sorgen machen müssen als darüber, was ich am Morgen für die Arbeit anziehen werde! Ich will mich nicht darum sorgen, dass mich am selben Morgen jemand ins Jenseits befördert. Und ich werde trübselig, grübele über den Sinn des Lebens, über die Zerstörung der Menschheit, nicht physisch, sondern im Kern die Seelen. Ich habe so viele Worte im Kopf, ich kann sie unmöglich zu einem Satz voll Sinnhaftigkeit formulieren. Ein Puzzle von Frustration in einem Meer aus ungeweinten Tränen. Wegen einer Frage, die ein einziges Wort umschreibt: Warum?

Warum müssen Menschen sterben, ohne die Last der Schuld für irgendwas zu tragen? Warum müssen Menschen sterben, die sich am Leben erfreuen? Warum dürfen die Menschen leben, die voll Hass und Misstrauen den anderen ihre Freude nicht gönnen? Ist es wahrlich Frieden, wenn unschuldige Seelen leiden müssen? Eben diese Friedenskämpfer, deren Bluttaten wir tagtäglich mit ansehen, sind sie nicht auch im Grunde unschuldige Seelen, getrieben von der Sehnsucht nach Lebensfreude? Doch wer sind dann die wahren Schuldigen, wenn es die Schuld sich aus dem Blick des Betrachters zu ergeben scheint?

Ich weiß zu wenig über die Welt, um dies zu beurteilen. Zu klein bin ich auf dieser Erde, ein dunkler Fleck, nicht größer als eine Ameise. Und ich trage Angst im Herzen. Allein diese Worte zu tippen lehrt mich Furcht. Denn wer heute Leben will, den kann nur die Angst noch schützen. Und der Rückzug in das Schneckenhaus, das uns vermeintlich Schutz bietet vor einer unbarmherzigen Welt und dem Sterben der Menschlichkeit.

Mittwoch, 20. Juli 2016

Better Life: Ausgelöscht von Lillith Korn (Neobooks Ausgabe!)


Die nächste Rezension folgt. Ich habe After Truth noch längst nicht beendet und lese doch zwischendurch immer wieder kleinere Bücher weg vom Stapel. Und zum Schreiben kam ich die letzten Tage leider auch nicht mehr. Ich denke für diesen Punkt sollte ich mir nun endlich einmal meine Schreibstunde je Tag einrichten. Routine kann durchaus motivierend sein.

Zurück zur Rezension, ich habe mir die letzten Tage „Better Life: Ausgelöscht“ von Lillith Korn vorgenommen. Ein kleiner aber feiner Roman einer aufstrebenden Jungautorin. Auf der Frankfurter Buchmesse vor dem Neobooks Stand begegnete ich vielen jungen Autorinnen und Autoren, die unter anderem in der Schreibnacht aktiv sind, darunter auch Lillith Korn. Ich sammelte von jedem einen Flyer, eine Postkarte, eine Leseprobe ein, wobei mir auch Better Life in die Hände fiel. Als Fan von Dystopien konnte ich gar nicht anders, als das eBook noch auf der Messe herunter zu laden … und es dann auf meinem unmenschlichen – oder unbüchlichen? - Lesestapel versauern zu lassen. Bis jetzt.

In Better Life existiert eine Organisation selben Namens, die den Menschen ein 10-jähriges Leben in Glückseligkeit einer anderen Identität verspricht. Du bist arm? Du erhältst Reichtum. Du hast keinen Partner? Du erhältst die Liebe deines Lebens. Dein Leben ist öde? Party jeden Tag. Und nach den 10 Jahren? Dein Gedächtnis wird gelöscht und du arbeitest anschließend für Better Life. Klingt nach einem super Angebot. Aber es wäre keine Dystopie, wenn die Sache nicht einen Haken hätte.

Sonntag, 17. Juli 2016

2 Lesenächte - 3 Bücher weniger

Das Prinzip "Lesenacht" ist ziemlich gut aufgegangen. Ich habe mein Ziel zumindest in Nacht 1 voll erreicht. 294 gelesene Seiten insgesamt von 17:00 bis 01:00, und in Nacht 2 wurde die Seitenzahl sogar nochmal getoppt. Hier nun mein Resumé:

Nacht 1: 09.07.-10.07.16

Mein Ziel:
- Siebzehn Silben Ewigkeit
- Nichts

Siebzehn Silben Ewigkeit
Dieses Buch gleicht einer Gedichtsammlung versteckt in einer ebenso romantischen wie verwirrenden Geschichte.

Der Postbote Bilodo entnimmt - ehe er sie dem eigentlichen Empfänger zustellt - heimlich Briefe einer ihm fremden Frau an einen anderen Mann aus der Post und liest sie. Er verliebt sich in die Frau, in Ségolène, allein über die Worte auf ein paar Blatt Papier. Er liest nie die Briefe des Anderen. Er träumt davon, dass die Briefe ihm bestimmt sind und er ebensolche Kunstwerke an seine Angebetete verfassen kann. Und eines Tages geschieht es, da stirbt sein Rivale vor seinen Augen. Und es tut sich eine Chance auf, Bilodo fasst einen Gedanken, den er selbst kaum begreift. Er schlüpft in die Identität des Anderen und beginnt mit Ségolène zu schreiben. Er tut sich zunächst schwer, doch schließlich gelingt es ihm, ebenso wundervolle Gedichte wie seine Brieffreundin zu schreiben. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf, und es kann ja nur chaotisch werden.

Freitag, 8. Juli 2016

Lesenacht - Radikale SuB-Verkleinerung!

Morgen ist es soweit, zusammen mit zwei Freundinnen veranstalte ich eine kleine Lesenacht. Was genau das ist? Eine Lesenacht ist quasi eine Party für Buchverrückte. Und sie ist eine effektive Methode im Kampf gegen den hohen Bücherstapel, der so gerne gelesen werden will.

Um 17:00 beginnt das Spektakel, wir machen es uns in meiner Bude gemütlich, jeder schnappt sich ein Buch und liest drauf los! Bei stimmungsvoller Musik, ein paar Snacks und zwei Flaschen Hugo - für mich zusätzlich eine Kanne Kaffee - machen wir uns daran, unsere Leseliste zu verkleinern. Zwischendurch gibt es Pausen, in denen jeder ein wenig von dem erzählt, was er die letzte Stunde gelesen hat. Abwechslung gehört schließlich dazu, denn einschlafen will keiner ;).

Wie lange die Nacht wird, das entscheiden wir spontan. Nur hoffentlich nicht zu kurz, denn ein Leseziel setzt jeder für sich selbst fest. Bevor die Erschöpfung ihre Krallen in unsere Köpfe schlägt, unsere Lider erschwert und die Sicht verschwimmt, soll dieses Ziel erreicht sein. Welches ist mein Ziel?

Ich will:
  • Das Buch "Nichts" komplett lesen (144 Seiten)
  • Das Buch "Siebzehn Zeilen Ewigkeit" komplett lesen (156 Seiten)
  • Das Buch "After truth" soweit ich danach noch komme weiter lesen

Zwar lese ich "After truth" aktuell schon, allerdings habe ich noch 782 Seiten vor mir und die werde ich in einer Nacht wohl kaum schaffen, wenn ich mit diesem Buch schon am frühen Abend anfange ;). Doch wenn wir diszipliniert lesen, uns nicht ablenken lassen und die Bücher uns in ihren Bann ziehen, dann wird es ein Leichtes, diese 2,5 Bücher vom SuB zu lesen. Ich freue mich auf die kommende Nacht und werde gerne im Anschluss davon berichten :).

PS Eine Tabelle wann solche Nächte zum Lesen und/oder Schreiben anstehen habe ich in den SuB-Bereich gepackt, den ihr jetzt unter dem Punkt "Lesestoff" findet ;).

Montag, 4. Juli 2016

Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben - Matt Haig

Ich habe die letzten Jahre viele Ratgeber zu den Themen Depressionen und Angst gelesen. Über Trennungsschmerz und andere Sorgen. Über Lebensfreude und Träume. Doch nie war ein Ratgeber – oder in diesem Fall trifft es wohl eine Biografie besser – darunter, in dem ich mich selbst wiedergefunden habe. Bis jetzt.

Matt Haig’s „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ besticht nicht mit seinem Cover. Es ist einfach ein Männchen auf einer Klippe, in deren Umriss der Name des Autors und der Buchtitel stehen. Der Name ist in schwarzen Buchstaben gedruckt. Der Titel ist bunt mit Farbübergängen, wie ein Regenbogen in Schrift gegossen. Das Männchen auf der Spitze nicht mehr als ein Schatten, der nachdenklich hinab blickt. Es scheint, als würde das Männchen abwägen. Ein Fuß ist leicht vorgestellt, die Haltung gebeugt, soll ich, soll ich nicht? Ich will springen, sagt das Cover. Und doch will ich es nicht.

Ich hatte den Roman online ausgeliehen. Der Titel sprach mich an. Ebenso wie das schlichte Cover. Es sagt so viel aus, obwohl es so wenig abbildet. Das Buch zog mich in seinen Bann noch ehe ich zu lesen begann. Es strahlt diese drückende Stimmung aus, doch in der Ferne brennt immer der Hoffnungsschimmer. Dieses Werk lebt, auf eine ganz eigene Art und Weise.

Der Autor beschreibt seinen Leidensweg durch Depression und Angststörung in Höhen und Tiefen. Er folgt historisch betrachtet keiner klaren Linie. Der rote Faden ist die stetig wachsende Hoffnung. Mit jedem Kapitel gewinnt er mehr an Lebensfreude zurück, auch wenn diese nie vollständig erreicht werden kann. Denn immer wieder steht er an dem Abgrund, der sich auf dem Cover offenbart. Ich habe nie ein Buch gelesen, in dem es Kreuz und quer durch die Krankheit geht. Aber so ist die Depression. Kreuz und quer. Man fliegt hoch und fällt tiefer. Dieses Krankheitsbild nachvollziehbar zu beschreiben ist unheimlich schwer. Wer sie nicht nachempfindet, kann sich das Ausmaß nicht vorstellen. Matt Haig schafft es mit seinen Worten eine Vorstellung von Depression in die Gedanken der Leser zu malen. Er beschreibt alle Facetten seiner Depression mit Angststörung in kurzen Kapiteln, die teilweise nur 2 Seiten lang sind. Und das ist gar nicht so übel. Schließlich hat man so nach jedem kleinen Abschnitt einmal die Möglichkeit, durchzuatmen und das Gelesene zu verdauen.

Wieder meinen Vorsatz habe ich den Roman gekauft. Ein Trost bleibt: Er steht immerhin nicht mehr auf der Leseliste. Mich plagte einfach das Gefühl, ohne Matt Haig’s gedruckte Gefühlswelt in meinem Regal nicht mehr leben zu können. Zumindest will ich es nicht, aber der kleine Unterschied zwischen wollen und können ist mir gleich. „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ hat mich berührt. Matt Haig’s Weg durch die Depression in die Kreativität ist so wundervoll, so inspirierend. In vielem habe ich mich wieder erkannt. Wahrscheinlich verehre ich dieses Buch deshalb so. Wie oft liest man schon Zeilen, die aus tiefstem Leid entstanden und wie ein Phönix aus der Asche zu einer solchen Schönheit auferstanden sind. Übertreibe ich? Ja, bestimmt, ich übertreibe gern. Und ich könnte noch stundenlang weiter schreiben. Aber irgendwann muss der Schlusssatz folgen und der lautet wie folgt:

Danke Mr. Haig, dass Sie Ihre Gedanken so fantastisch mit der Welt teilen : ).