Sonntag, 17. Juli 2016

2 Lesenächte - 3 Bücher weniger

Das Prinzip "Lesenacht" ist ziemlich gut aufgegangen. Ich habe mein Ziel zumindest in Nacht 1 voll erreicht. 294 gelesene Seiten insgesamt von 17:00 bis 01:00, und in Nacht 2 wurde die Seitenzahl sogar nochmal getoppt. Hier nun mein Resumé:

Nacht 1: 09.07.-10.07.16

Mein Ziel:
- Siebzehn Silben Ewigkeit
- Nichts

Siebzehn Silben Ewigkeit
Dieses Buch gleicht einer Gedichtsammlung versteckt in einer ebenso romantischen wie verwirrenden Geschichte.

Der Postbote Bilodo entnimmt - ehe er sie dem eigentlichen Empfänger zustellt - heimlich Briefe einer ihm fremden Frau an einen anderen Mann aus der Post und liest sie. Er verliebt sich in die Frau, in Ségolène, allein über die Worte auf ein paar Blatt Papier. Er liest nie die Briefe des Anderen. Er träumt davon, dass die Briefe ihm bestimmt sind und er ebensolche Kunstwerke an seine Angebetete verfassen kann. Und eines Tages geschieht es, da stirbt sein Rivale vor seinen Augen. Und es tut sich eine Chance auf, Bilodo fasst einen Gedanken, den er selbst kaum begreift. Er schlüpft in die Identität des Anderen und beginnt mit Ségolène zu schreiben. Er tut sich zunächst schwer, doch schließlich gelingt es ihm, ebenso wundervolle Gedichte wie seine Brieffreundin zu schreiben. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf, und es kann ja nur chaotisch werden.


Die Gedichte in diesem Buch sind kurz, es sind japanische Haiku. Diese Form basiert nicht zwangsläufig auf Reimen, es geht um die Einhaltung einer Silbenregel, 5 - 7 - 5, was in einer Summer 17 ergibt, den Titel des Buches. Erste Zeile fünf Silben, zweite Zeile sieben, dritte Zeile fünf. Die Gedichte aus dem Roman malen wunderschöne Bilder, ich habe es genossen, sie zu lesen. Und doch nahm die gesamte Geschichte bald einen skurrilen Verlauf. Bilodo verlor sich in seiner Liebe und der falschen Identität, es war so faszinierend wie verworren. Und auf dem Höhepunkt, da passiert etwas, das mich so sehr erschütterte, dass ich das Buch unzufrieden ins Regal stellte und einen tiefen Seufzer der Entrüstung tat. Ich werde nicht verraten, was passiert ist. Aber dieses kleine Büchlein mit seinen 154 Seiten ist ein kleines Wunder, das ich trotz den gemeinen Endes sehr genossen habe. Und das Ende ist genau richtig, so böse es mich als Leser auch gemacht hat, denn anders würde dieses Buch sicher nicht funktionieren.

Nichts

Jeder sucht ihn, den Sinn des Lebens. Welche Bedeutung haben wir in dieser Welt, wo es doch so viele verschiedene von uns gibt, und was hat für uns Bedeutung? Nichts hat Bedeutung, und die Suche danach schon einmal gar nicht, so interpretiere ich die Botschaft des Buches. Ich habe immer noch nicht  recht verstanden, was es mir wirklich sagen will. Aber mit großen Augen verfolgte ich die Ereignisse, musste viele Sätze zwei oder dreimal lesen. Ich fasse die Geschehnisse kurz zusammen:

Es geht um eine Klasse von Kindern, unter ihnen einer, der die Botschaft verbreitet:
Nichts hat Bedeutung. Man arbeitet sein Leben lang und stirbt irgendwann. Wenn nichts eine Bedeutung hat, ist nichts, was wir tun, wichtig. Wir können es also auch sein lassen.
Die Kinder akzeptieren das nicht. Sie weigern sich, dem Glauben zu schenken. Sie wollen dem Mitschüler beweisen, dass doch etwas Bedeutung hat. Und so sammeln sie alles, was ihnen etwas bedeutet, und bauen einen großen Haufen daraus. Einen Berg von Bedeutung. Es beginnt mit kleinen Dingen, Fotos, Puppen, Büchern. Und bald muss jeder etwas abgeben, was ihm wirklich wichtig ist. Und was auf grüne Sandalen und einen Hamster folgt, ist so unfassbar, dass ich es bis jetzt noch nicht wirklich begreifen wollte.

Das Buch schockiert, je mehr man liest. Welche Verzweiflung in der Suche nach Bedeutung liegt, zeigt es nur allzu deutlich. Und am Ende, so heißt es, soll man mit der Bedeutung keine Späße treiben. Und ich empfehle jedem, dieses kleine, 140 Seiten lange Buch zu lesen. Und ich denke, dass es die Bedeutung wirklich gibt. Aber es ist nicht in ihrem Sinn, von uns gefunden zu werden. Wir selbst erschaffen uns eine Bedeutung, denn warum wir hier sind, wer uns geschaffen hat, wer uns intelligent machte und uns doch irgendwann wieder sterben lässt, das werden wir auch mit noch so verbortem Suchen nicht herausfinden. Und so muss jeder selbst sein Leben mit seiner eigenen Bedeutung füllen.

Nacht 2: 16.07.-17.07.16

Mein Ziel:
-Wenn der Sommer stirbt
- Schreiben an Destiny Inc.

Wenn der Sommer stirbt
Ich habe den ersten Band schon vor einigen Monaten gelesen und er hat mich gefesselt und berührt. Band 2 habe ich auch vor einigen Monaten begonnen, doch dann immer wieder ein neues Buch angefangen und sie gelesen wie Leseproben, ohne je eines weiter zu verfolgen. Und jetzt, da hier schon 80 Seiten gelesen waren, habe ich wieder danach gegriffen.

Chamsin ist als Königin in Winterfels nicht gerade glücklich. Ihr Ehemann hält sich von ihr fern, das Volk verspottet sie als die Tochter des feindlichen Königreiches. Einzige gute Gesellschaft ist der kleine Krysti, ein aufgeweckter Junge, der in ihren Diensten steht, als Strafe für einen Diebstahl in einem umliegenden Dorf - doch so schwer wiegt diese Strafe nicht.
Bald sind die spottenden Menschen aus dem Volk nicht die größte Gefahr im Land. Die Garm, große, wolfartige Monster, kehren zurück, folgen ihrem erwachenden Eiskönig Rorjak, der im Eisherzen in Chamsins Gemahl Wynter schlummert. Immer weiter verliert dieser sich an das Eisherz, seine Seele gefriert und nur Chamsin hat die Macht, ihn wieder zu tauen. Doch nicht ohne zuvor in einen Kampf um Leben und Tod und um die Herrschaft und den Untergang der Welt verwickelt zu werden.

Wenn der Sommer stirbt konnte mich nicht wie der erste Band direkt am Anfang packen. Sonst hätte ich das Buch nicht so lange liegen gelassen. Aber gestern, da griff mich die Handlung und saugte mich aus wie ein Vampir. Ich legte das Buch kaum fort, die halbstündigen Pausen vergaß ich schnell. Ich war ungeduldig, der Spannungsbogen erbebte immer wieder. Auch wenn er mal ruhig dalag, so spürte man doch sein leichtes Zucken in Vorbereitung auf den nächsten Höhepunkt. Und so habe ich Wenn der Sommer stirbt fast pausenlos verschlungen und war nach 6 Stunden lesen am Ende angelangt. 335 Seiten habe ich gelesen und damit meinen letzten Rekord aus der letzten Lesenacht geknackt. Und auch, wenn ich dann schließlich doch nicht mehr geschrieben habe, so war es das doch wert. Ich habe schon lange nicht mehr so viel gelesen und es hat mir sehr gefehlt. Und schreiben, das werde ich auch heute noch tun können ;).


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen