Freitag, 22. Juli 2016

Über das Sterben der Menschlichkeit

Es macht mich traurig, deshalb meide ich Nachrichten, Zeitungen, Google News. Ich ertrage diese Katastrophen nicht mehr. Ich will mir über nicht mehr Sorgen machen müssen als darüber, was ich am Morgen für die Arbeit anziehen werde! Ich will mich nicht darum sorgen, dass mich am selben Morgen jemand ins Jenseits befördert. Und ich werde trübselig, grübele über den Sinn des Lebens, über die Zerstörung der Menschheit, nicht physisch, sondern im Kern die Seelen. Ich habe so viele Worte im Kopf, ich kann sie unmöglich zu einem Satz voll Sinnhaftigkeit formulieren. Ein Puzzle von Frustration in einem Meer aus ungeweinten Tränen. Wegen einer Frage, die ein einziges Wort umschreibt: Warum?

Warum müssen Menschen sterben, ohne die Last der Schuld für irgendwas zu tragen? Warum müssen Menschen sterben, die sich am Leben erfreuen? Warum dürfen die Menschen leben, die voll Hass und Misstrauen den anderen ihre Freude nicht gönnen? Ist es wahrlich Frieden, wenn unschuldige Seelen leiden müssen? Eben diese Friedenskämpfer, deren Bluttaten wir tagtäglich mit ansehen, sind sie nicht auch im Grunde unschuldige Seelen, getrieben von der Sehnsucht nach Lebensfreude? Doch wer sind dann die wahren Schuldigen, wenn es die Schuld sich aus dem Blick des Betrachters zu ergeben scheint?

Ich weiß zu wenig über die Welt, um dies zu beurteilen. Zu klein bin ich auf dieser Erde, ein dunkler Fleck, nicht größer als eine Ameise. Und ich trage Angst im Herzen. Allein diese Worte zu tippen lehrt mich Furcht. Denn wer heute Leben will, den kann nur die Angst noch schützen. Und der Rückzug in das Schneckenhaus, das uns vermeintlich Schutz bietet vor einer unbarmherzigen Welt und dem Sterben der Menschlichkeit.

Kommentare:

  1. Warum? Keine Ahnung. Und zugleich tausend klitzekleine Bruchstücke von Ahnungen, die sich aber nie zu einem stimmigen Bild zusammen setzen lassen. Das ist alles so absurd, dass ich geneigt bin, Douglas Adams '42' als Antwort zu akzeptieren.
    Was ich aber sicher weiß, ist, dass ich die Möglichkeiten nutzen will, ein anderes Leben zu leben. Ohne Hass und voller Freude. Ohne sinnlose destruktive Akte und mit vielen sinnstiftenden Beschäftigungen.
    Westernhagen spricht mir in seinem schönsten Lied 'Weißt Du, daß ich glücklich bin' aus der Seele:
    An dem Tag, der ganz neu sein wird,
    werden viele viele Kinder in der Sonne stehn.
    Und der Neid wird im Meer verglühn,
    WEIL ICH WILL, DASS ES DAS GIBT!

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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