Freitag, 26. August 2016

Noir von Jenny-May Nuyen

Nino ist anders, er sieht den Tod von Menschen. Ebenso seinen eigenen. Seit dem tragischen Unfall seiner Eltern lebt er mit dieser Gabe. Auf der verzweifelten Suche nach dem Weg, diesem Schicksal zu entgehen, trifft er auf einen geheimnisvollen Zirkel. Und in diesen Kreisen trifft er auch die seelenlose Noir, die bereits mit einem Fuß mehr im Jenseits als im Diesseits verweilt.

Ich habe selten einen so „runden“ Schreibstil gelesen. Die Worte waren ihre eigene Magie, ich liebte die Bilder in meinem Kopfkino dazu. Nicht immer waren die Bilder so kunstvoll umschrieben. In der komplexen und verwirrenden Geschichte war es oft schwer, dem Geschehen zu folgen. Die Zeitwechsel zwischen den Kapiteln, zwischen Zukunft und der Gegenwart, die der Zukunft immer näherkommt, halten im Lesefluß. Man kennt bereits zu Beginn der Geschichte die Zukunft, wird jedoch ordentlich auf die Folter gespannt. Wie konnte es soweit kommen? Diese Frage habe ich mir dauernd gestellt. Bis endlich das letzte Zukunftskapitel sich zeigte. Bis endlich die Gegenwart an diesem Punkt ankam und sich die Zeitlinien überschnitten und zu einer vereinten. Hut ab, das System ist gut gelungen.

Nino und Noir sind ein verzweifeltes Paar. Die dramatische Stimmung im Buch ist durchgehend spürbar. Mir hat besonders das „halboffene“ Ende gefallen. Halboffen deshalb, weil es meiner Meinung nach doch eine Gewisse Erlösung mit sich bringt. Aber lest lieber selbst.

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