Dienstag, 30. August 2016

Traumwach

Ich schlafe und ich träume. Aber ich schlafe nicht beim Träumen. Schon ein Widerspruch, oder? Nur ist es zur Zeit eine kleine, bittere Wahrheit, die an Wahnsinn zumindest für meinen Teil nicht zu überbieten ist. Wahnsinn sind für mich Dinge, die verrückt machen. Auf eine verzerrte posinegative Art. Er besteht aus Euphorie und Depression gleichzeitig, was die Spannungskurve ziemlich ins Zittern bringt. Angst ist kein Wahnsinn, sie ist nur negativ. Sie ist ein anderer Wahnsinn für sich, anders als die Träume. Diese neuen Träume. Sie sind schnell. Ein Zeitraffer, sodass es mir unmöglich ist, ein Abbild davon am nächsten Morgen noch einmal festzuhalten. Mein Gedächtnis schleust die Informationen wie durchgehende Posten hinein und hinaus. In der Nacht tut es das mit einer Lautstärke, die an Lärmbelästigung grenzt. Aber nur ich höre diesen Lärm und ich schlafe und kann doch nicht ruhig genug schlafen. Ich höre die Stimmen, die über mich lachen, und verstehe doch kein Wort. Ich sehe Spinnen überall oder spüre ihre Anwesenheit unter meinem Bett. Ich sehe Bilder über Bilder und frage mich, was zum Teufel in mein Unterbewusstsein gesickert ist, dass alles zur gleichen Zeit in einer unfassbaren Form von Multitasking wie ich sie selbst nicht beherrsche zu einem schrägen Film geschnitten wird, den ich nur vor einem undurchsichtigen Schleier sehen darf, obwohl ich Hauptdarsteller bin. Was?!
Und am Morgen fühle ich mich, als hätte ein Traktor auf meinem Schädel einparken geübt. Und der Wecker verhöhnt mich, dass er in einer halben Stunde klingeln wird, es sich aber nicht mehr lohnt noch ein wenig zu dösen. Und die Uhrzeit schreit: “Arbeit!” Dabei bin ich nicht wach genug, dass ein leuchtender Bildschirm meinen Brummschädel auch nur ansatzweise kurieren könnte. Und der Kaffee trägt eher zu einer ungesunden Grundnervosität bei, denn zu einem wohlwollenden Start in den Tag.
Das Wort “gerädert” erscheint vor meinem inneren Auge und ich stelle mir vor, wie ein Italiener mein Hirn durch eine Nudelmaschine dreht. Immerhin kriege ich beim Wort “Nudeln” Hunger. Im Kühlschrank stehen noch zwei halbe Stücke Kuchen. Kein nahrhaftes Frühstück, aber wenn die Träume nicht nahrhaft sind, muss das Frühstück es auch nicht sein.

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