Montag, 15. August 2016

Angst

Meine Brust füllt kein Pochen, nur Kribbeln erhellt die Leere des Korbes in meinen Rippen. Ich fürchte, mein Herz steht still. Da ist nichts mehr wo es einst war. Mein Atem stockt, meine Lungen werden schwer und doch ganz leicht. Und dann sind auch sie fort. Wie ein Körper ohne Organe, wie eine obduzierte Leiche, aber ich warte noch auf den Tod. Der Kloß in meinem Hals ist dick, er schnürt mir Luft und Spucke ab. Ich kann nicht schlucken, kann nicht atmen. Mein Kopf vibriert, mir ist schwindelig. Ich verliere mich. Zitternd sacke ich in mir zusammen. Unfähig zu schreien erstickt meine Stimme. Tränen versiegen, die Kraft zu Weinen fehlt. Starr wie ein Eisblock, heiß wie Lava. Herzinfarkt? Schlaganfall? Embolie? Sensenmann? Dann setzt mein Atemreflex vollkommen aus. Eine Sekunde. Zwei. Drei. In einem erschrockenen Japsen schnappe ich nach Sauerstoff, der plötzlich so rar in diesem viel zu engen Raum scheint. Mein Herz rast. Nun spüre ich seinen steten Schlag wieder. Nur zu schnell, viel zu schnell. Die Leere wird vom Hämmern gesprengt, die Lungen zerdrückt, mein Körper zieht sich zusammen. Oder wird er doch gepresst wie eine unwillige Zitrone? Ich weiß es nicht, ich weiß nur eines. Ich will entweder gleich sterben oder gleich leben. Denn die Alternative lauert in den tiefsten Tiefen meiner Selbst. Die Angst, die mich zerfrisst, wie ein Parasit. Zwei Seiten einer Medaille, ich und die Panik, ich und der Dämon, ich und ich. Wer bin ich, wenn ich doch Angst bin? Wer bin ich nicht, wenn ich keine Angst fühle? Wer kann ich sein, wenn ich die Kontrolle zurück erlange? Wo ist der Weg, den ich verloren habe?



Es gibt positive und negative Inspiration. Was sie dennoch verbindet, ist die Schönheit in Worten. Selbst das größte Leid kann zu einem literarischen Meisterwerk heranwachsen, findet man die richtigen Ausdrücke in Schrift. Natürlich genieße ich die positive Inspiration mehr und am meisten reißt mich die gesunde Mischung beider Zustände mit. Denn aus ihrer Verbindung entstehen die tiefsten Gefühle und Gefühle bewegen Menschen. Und so entsteht auch obiger Text aus der Feder der Dunkelheit und zaubert einen Hauch von zartem Grün, von unvergilbter Hoffnung zwischen die Zeilen. Die Hoffnung, der Wunsch, dass das Leben weiter geht. Auch in Zeiten von derart angsteinflößenden Panikattacken wie dieser hier. Und der nächste Text, wird definitiv wieder positiv ;). 

Aber die Frage stellt sich doch, war diese Beschreibung wirklich negativ? 
Nein. 
Wer findet die lichte Seite des Textes ;D?

1 Kommentar:

  1. Poooh, das "hört" sich echt an, sehr echt. Das kann wohl nur jemand so beschreiben, der Angst und Panik live erlebt hat. Das geht mir sehr nah.
    Das "Lichte" daran ist für mich ganz klar der Mut, dem Dämon Angst auf diese Art gegenüber zu treten, ihn zu beschreiben, offen und laut, ihm in die Augen zu sehen als Teil der eigenen Identität.
    Das Aussprechen kann ein probates Mittel sein, solchen Dämonen einen Teil ihrer Kraft zu nehmen, sie ans Licht zu zerren, ihnen in die Augen zu schauen. Wer das kann, hat Mut!

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