Sonntag, 2. Oktober 2016

Momo von Michael Ende - Inspiration für's Leben

Ich habe bisher noch keinen deutschen Klassiker gelesen. Generell bin ich so sehr in der Welt meiner geliebten Fantasy-, Dystopie- und Thriller-Romane gefangen, dass ich kaum zu solchen Büchern wie Momo greife. Ich wusste nicht einmal genau, worum es in Momo überhaupt ging. Ich wusste nur: Momo = Mädchen + Schildkröte. Bis zu dem YouTube Video von Jennifer Jäger’s Lebensverändernden Buchgeschichten.
Ich fand mich in ihrer Erklärung, warum dieses Buch ihr Leben verändert hat, plötzlich selbst wieder. Der ganze Stress seit meinem Umzug Anfang diesen Jahres. Plötzliche Selbstständigkeit – auch wenn ich sie wollte, der Umfang schockte mich irgendwo doch. Ahnungslosigkeit wie man richtig putzt, kocht, wäscht. Unabhängig vom Umzug auch noch der Stress, unter den ich mich auf der Arbeit gesetzt habe. Leistung bringen, schneller, besser, fehlerfreier. Dann im Privaten, das Gefühl, zu viele Bücher und zu wenig Zeit zu haben. Zu viel Ruhezeit zu brauchen von allem und zu wenig zu schreiben. Manchmal, da liege ich einfach nur auf der Couch herum, im Hintergrund läuft der Fernseher, vor meinen Augen liegt das Handy in meiner Hand. Ich zappe zwischen Facebook, E-Mail Konten, Twitter hin und her. Sinn frei. Zeitraubend. Nervenraubend. Es ist wie ausruhen und ruht mich doch nicht. Ich vergeude Zeit, indem ich sie nicht nutze, stresse mich mit diesem Gedanken noch mehr, sodass ich sogar allein durch diesen Gedanken die Zeit verspiele. Wozu arbeite ich jeden Tag 8 Stunden, um mit 67 oder später nicht mehr arbeiten zu müssen? Meine Zeit läuft davon! Ich will doch jetzt leben! Aber ich lebe sie nicht richtig. Nur ab und zu.


„Doch Zeit ist Leben, und das Leben wohnt im Herzen. Je mehr die Menschen daran sparen, desto ärmer, hastiger und kälter wird ihr Dasein und desto fremder werden sie sich selbst.“ – Zitat aus dem Klappentext von Momo.

Und es stimmt. Zwar hatte ich zwischenzeitlich gelernt, das Leben wieder mehr zu genießen, wirklich mehr zu leben. Zeit mehr zu nutzen, weniger zu stressen. Aber ich begriff vor Momo nicht den gesamten Umfang. Und so lernte ich, genauer hinzuhorchen, in mich selbst und um mich herum. Und ich sah, dass in der Hast die Zeit genauso hastet. Dass sie verstreicht, ohne je da gewesen zu sein. Dass sie einfach verfliegt. Und dass ein Tag in Eile gelebt, so verdammt leer sein kann, weil er ebenso eilig einfach vergeht.

Was mir meine Zeit zurückgibt:
  • Schreiben, Schreibnacht, Geschichten erträumen und fantasieren.
  • Lesen, Bücher verschlingen, am liebsten eines jeden Tag.
  • Den Blog bearbeiten, mit HTML und CSS experimentieren.
  • Mit Freunden Lasertag spielen, Eis essen gehen, shoppen gehen.
  • Mit meinem Freund einen Film schauen.
  • Mit meiner besten Freundin herum albern und etwas unternehmen.

Zugegeben, das ist nun schon mehr ein „Inspiriert“, als eine Rezension. Weshalb ich auch beide Kategorien hierin getaggt habe : ). Die Geschichte von Momo war sehr fantasiereich und ich finde es wundervoll, wie Michael Ende auch die Unbeschwertheit von Kindern in seinen Zeilen eingefangen und wiedergegeben hat. Er führt zurück in die Welt, die wir mit dem erwachsen werden vergessen. Die Vorstellungskraft und ihre Möglichkeiten. Und ich fand den Einblick in die Spielereien der Kinder so schön, dass es mich schon fast traurig macht, dass ich heute draußen kaum mehr Kinder spielen sehe.

Momo ist ein besonderes Kind, das gut zuhören kann. Damit hat sie den Erwachsenen vieles voraus, denn diese haben diese tolle Fähigkeit längst verlernt. Sie lebt allein in ihrem Amphitheater. Sie ist wie die Personifikation kindlicher Freude und auch der Unbeschwertheit. Ich hatte viel Freude beim Lesen, denn Momo lebt mit einem vollkommen anderen Reichtum. Einem Reichtum, den kein Geld der Welt aufwiegen kann. Freunde. Fantasie. Vollkommenheit ohne großen Besitz. Es regt doch zum Denken an, womit ein Mensch schon glücklich sein könnte. Der Hunger nach mehr und mehr Geld, mehr und mehr Besitz summiert sich nicht zu Glück. Und auch der Besitz selber macht nicht glücklicher. Ich könnte reich und berühmt sein. Ja, man denkt sich, man hätte keine Sorgen mehr. Aber Momo lehrt, dass es mehr gibt im Leben, das wirklich zählt.

Würde doch bloß jemand die Zeitblumen dieser Welt befreien, vielleicht hätten wir dann wirklich alle mehr Zeit und mehr Sinn für das Leben, um es wirklich zu genießen. Aber am Ende habt ihr es selbst in der Hand, eure eigene Blume zu pflegen. Nutzt eure Zeit, teilt sie mit anderen oder füllt sie alleine mit Leben. Aber verliert euch nicht in Hast, stolpert nicht über den Sekundenzeiger der Lebensuhr, der oftmals so bedrohlich dahin tickt. Genießt die kleinen und großen Momente ; ).

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen