Sonntag, 16. Oktober 2016

Zwei Kontinente auf Reisen von Jenny Karpe

Letztes Jahr auf dem Schreibnacht-Treffen bei der Frankfurter Buchmesse traf ich viele Autorinnen, die ich erst im Anschluss wirklich mal online gestalkt habe. Und ich habe noch nicht von allen von ihnen Bücher gelesen. Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Lilith Korn drückte mir eine Postkarte mit Autogramm in die Hand, sowie auch eine Karte zu ihrem Buch "Better Life". Ich traf Ava Reed, Julia Adrian, Marie Graßhoff und auch Jenny Karpe, deren Visitenkarte in meiner Schublade liegt. Ich weiß noch, dass ich damals online nach ihr gesucht habe. Von ihr habe ich nur die Visitenkarte bekommen, alle anderen verteilten Lesezeichen und Leseproben von ihren Werken. Und ich suchte tatsächlich vergeblich, von Jenny fand ich kein Buch. Und weniger als ein Jahr später kam die Nachricht: Jenny Karpe's erster Roman ist als eBook erhältlich!

In Zwei Kontinente auf Reisen finden wir uns in einer Dystopischen Umgebung wieder, in der sich das Weltbild erschütternd verändert hat. Auf einer Insel, die laufend von Erdbeben heimgesucht wird und immer wieder zu kippen droht, leben zwei Völker eher gegen- als miteinander. Die Amerikaner und die Ruaner. Ständig gibt es Streit, die Erwachsenen können nicht im Einklang leben.
Im Angesicht einer nahenden Katastrophe sind es die Kinder der Insel, die sich der Rassentrennung widersetzen. Die junge Amerikanerin Kira und der Ruaner Aaron setzen mit ihren Freunden alles daran, den Frieden wiederherzustellen. Aber die Frage stellt sich doch: Was ist das überhaupt für eine wackelige Konstruktion, auf der sie leben, und was liegt darunter?

Die Grundidee hat mich anfangs ein wenig verwirrt. Ich konnte mir unter der Beschreibung nicht viel bildlich vorstellen. Die Geschichte beginnt mit der kleinen, kindlichen Kira, die eine benachbarte Insel beim Untergang beobachtet. Ich schreibe selbst gerne so, dass meine Leser sich inmitten der Story wiederfinden und erst einmal zurechtfinden müssen. Dementsprechend stieg ich ziemlich orientierungslos ein. Und diesen Zustand hat Jenny Karpe ziemlich lange aufrecht erhalten, denn war ein Punkt geklärt, wurde man nur noch mehr mit der Nase auf das große Geheimnis um diese Dystopie gestoßen. 

Ich habe zwei Schreibfehler gefunden! Ich weiß nur nicht mehr wo, es war zu spannend um sie weiter zu beachten. Der Schreibstil ist sehr angenehm und bildhaft. Die Geheimniskrämerei ist dafür ziemlich nervenaufreibend! Auf jeden Brotkrumen, der eher neue Rätsel eröffnete als alte aufzuklären, folgte stets ein neuer. Und erst im letzten Drittel wurde endlich mal nach und nach aufgeklärt, was eigentlich wirklich auf der Welt passiert ist. Und ich habe immer noch offene Fragen! Aber mir wurde soeben auf Twitter versichert, dass Band 2 folgt :D.

Was mir besonders an den Charakteren gefallen hat: Man hat ihre Entwicklung von Kind an verfolgen können. Das macht sie für mich sehr authentisch. Man wächst quasi mit ihnen mit hinein in das Buch. Ich habe noch keine Geschichte auf dieselbe Art und Weise gelesen. 

Zu guter Letzt ein Kompliment für die Story. Mir stellt sich sofort die Frage: Wie kommt man auf diese Idee? Und wie kommt man auf die Idee, die Geschichte auf diese Weise aufzulösen? Schließlich hätte ich nie und nimmer mit dem Hintergrund der Katastrophe gerechnet, wie er hier wirklich war. Ich glaube fast, ich wurde auf einen dystopischen Holzweg geführt. Denn die eigentliche dystopische Ader in "Zwei Kontinente auf Reisen" ist überraschender, als man denken mag. Klare Empfehlung. Lest es! Bei mir war es Liebe auf die ersten Zeilen!!!

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