Donnerstag, 15. Dezember 2016

Die gestohlenen Weihnachtsplätzchen - Türchen 15

Jenna kauerte auf dem Blatt, blickte sich ängstlich um. Wovor fürchtete sich die Elfe nur? Emma empfand tiefes Mitleid, selbst wenn sie den Grund nicht kannte. 
"Du kannst uns also helfen?", fragte Tom mürrisch. "Warum hast du das nicht eben schon gesagt?" 
Jenna zuckte zusammen. Sie knetete ihre Finger, hielt den kleinen Kopf gesenkt. Tom schüttelte seine Flügel aus, während er das Wesen weiterhin erwartungsvoll beobachtete. Nach einer Weile straffte sich der winzige Körper, die Elfe öffnete den Mund, nahm einen tiefen Luftzug und plapperte drauf los. "Also, das war so. Ich war am frühen Abend in der Stadt unterwegs, um etwas für unsere Vorweihnachtsfeier zu besorgen. Da sah ich dieses Funkeln aus einem Kinderzimmer. Ich flog hinein, das Fenster war schließlich geöffnet. Neben dem Bett des schlafenden Mädchens lagen mehrere, glitzernde Krümel. Da habe ich mir einen geschnappt und wollte fort", Jenna hielt inne, ihr ging unverkennbar die Puste aus. Aufgeregt und vollkommen außer sich setzte sie ihre Ausführungen fort. "Plötzlich hörte ich etwas. Ich konnte mich gerade noch verstecken, ehe große, beflügelte Männer durch das Fenster kamen, das Mädchen packten und wieder verschwanden. Ein kleinerer Mann hat dann noch die restlichen Krümel vom Boden aufgelesen und verschwand anschließend ebenfalls. Und kurz bevor ich mich dann aus dem Staub gemacht habe, ehe mich noch jemand erwischt, sah ich einen unheimlichen Schatten." 
Tom runzelte die Stirn. Emma verzog fragend die Augenbrauen. Jenna atmete hektisch ein und aus und schaute dann einmal in jede Richtung, als fühlte sie sich verfolgt.  
"Ein Schatten?" Der Engel hockte sich vor den Busch, auf dessen Blatt die schüchterne Elfe stand. Sie wich einige Schritte zurück. "Beschreibe ihn genauer." 
Die Elfe sprang von ihrem Blatt auf und flog in die Luft. Mit ihrem Glitzerstaub malte sie eine lebensgroße Silhouette in die Nacht. Sie schlug Haken, erschuf ein leuchtendes Kunstwerk. Die goldenen Linien prägten sich wie Nebel in die Umgebung. Feine Pinselstriche, ein zweidimensionales Bild in einer dreidimensionalen Welt. Wenige Sekunden später zappelte die winzige Künstlerin unkontrolliert umher. Emma fing das Wesen hastig auf, ehe dieses einem Schwindel erlag und zu Boden fiel. Das Kunstwerk bliebt vor ihnen stehen wie eine Pappfigur.  
"So ungefähr", keuchte Jenna, die nur langsam wieder zu Kräften kam. Der Kunstflug hatte sie wohl einiges an Energie gekostet.  
"Das glaube ich nicht!", schimpfte Tom, warf die Arme in Höhe und begann, nervös auf und ab zu gehen. 
Emma sah sich die Glitzerspur genauer an. Ihre Augen wurden weit, als sie erkannte, was Tom darin sah. Es gab keinen Zweifel. Diese Umrisse, diese Schattenfigur. Sie kannten beide nur eine Person, der diese Form unverwechselbar glich. 
"Marta!", riefen das Mädchen und der Engel im Gleichklang. 

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