Dienstag, 28. März 2017

Herz im Kopf - Sarah Neumann

Die erfolgreiche Assistentin der Geschäftsführung von Highres Media in Chicago Alexis lebt mit ihrer Zwillingsschwester Robin in einer gemeinsamen Wohnung. Doch bis auf das Aussehen und die Wohnung teilen die Schwestern kaum Gemeinsamkeiten. Als Robin sich bei einem Unfall verletzt, bittet sie ihre Schwester Alexis, an ihrer Stelle zu einem Speeddating zu gehen. Alexis lässt sich widerwillig darauf ein, für einen Abend Robin zu sein, und lernt prompt Matthew McRae kennen. Es scheint Liebe auf den ersten Blick. Aber er gehört nicht ihr, er gehört Robin. Als Matthew dann auch noch bei Highres Media als Alexis neuer Kollege im Projektteam anfängt, steht die Welt vollkommen Kopf. 

Ich habe das Buch auf der letzten Frankfurter Buchmesse gekauft, weil mich die Geschichte sehr gereizt hat. Wie wird dieses Doppelleben wohl auffliegen, das Alexis dort spielt? Aber beim Lesen hat sich herausgestellt, dass die Beschreibung im Klappentext nur ein kleiner Teil der großen Wahrheit war. Ein Schnipsel der Ereignisse, der nicht einmal die größte Rolle im Buch spielt. Herz im Kopf hat mich sogar auf den ersten Seiten ein wenig enttäuscht.

Zunächst einmal zu dem Stil, der mir am Anfang ziemlich aufgestoßen ist. Das Buch ist aus 3 Perspektiven geschrieben, die sich innerhalb der Kapitel immer Abschnittsweise abwechseln. Das funktioniert dann so: Kapitel 1 - eine Seite Robin, ein Absatz Alexis, eineinhalb Seiten Matt, eine Seite Alexis,... . Ich gebe zu, das hat mich erst mal ziemlich genervt, weil die ständigen Perspektivwechsel mich andauernd aus der Geschichte geworfen haben. Nach 30 Seiten hatte ich dann den Dreh raus. Aber nur, was den Aufbau betrifft. Mir fehlten viele, kleine Details an den richtigen Stellen. Ich hätte gerne an manchen punkten mehr Dialoge gehabt. Wie soll ich wissen, warum Matt das Gespräch mit Alexis beim Speeddating so sehr genießt? Ich würde es gerne selbst genießen und seinen Platz für diese Zeilen einnehmen. Und was die Sprache der Blumen angeht, die spreche ich nicht. Hier wäre für den Leser hilfreich gewesen, eine kleine Erklärung einzubauen. Komischerweise können nämlich sämtliche Charaktere die Sprache der Blumen, außer mir ;).

Jetzt aber genug gemeckert, denn plötzlich riss mir die Story den Kritikboden unter den Füßen weg. Der Wechsel folgte in kleinen Schritten, um sich schließlich zuzuspitzen. Ich war überrascht und konnte das Buch 150 Seiten lang nicht aus der Hand legen. Die Abschnitte waren noch immer ebenso groß / klein wie am Anfang. Die kleinen Dinge fehlten auch dort noch an diversen Stellen. Aber an ihre Stelle traten viele andere kleine Dinge. Einblicke in Alexis Charakter eröffneten nach und nach, was tief unter ihrer Fassade schlummerte. 

Matthew kam mir zu Beginn der Liebesgeschichte sehr aufdringlich vor. Andererseits ist diese offensive Art mal ein Kontrast zu den langsamen Annäherungen, die ich meistens in Büchern lese. Er geht aufs Ganze und was ich ihm am Anfang noch krumm nahm, fügte sich bald zu einem Puzzlestück seiner wundervollen Art zusammen. Ich hätte gerne noch mehr erfahren. Wie sein Familienleben in Irland war, ehe er nach Chicago zog. Ob es Streit mit seinem Vater gab. Ob auch ihm ständig im Hinterkopf ein Schicksal aus alten Tagen verfolgte. Diese Kleinigkeiten hätten der Figur noch mehr Tiefe gegeben. Denn am Ende hat doch jeder seine Lasten zu tragen. Nichts desto trotz habe ich den Iren ins Herz geschlossen.

Robin ist eine Chaotin und ich glaube es ist das Beste, ihr lernt sie auch noch einmal selbst kennen. Das muss man erlebt haben. Natürlich müssen Zwillinge sich nicht klischeehaft ähneln, aber bei Robin und Alexis fiel es mir regelrecht schwer, sie mir als gleich-aussehend vorzustellen, da sie so verschieden sind. Aber lest selbst und damit spreche ich eine klare Empfehlung aus, trotz meiner anfänglichen Kritikpunkte. Die Geschichte hat mich spät gepackt, aber sie ließ dann nicht mehr los. Das große Finale hat für ein wenig Schlafentzug gesorgt, da ich trotz Müdigkeit unbedingt weiterlesen musste, aber es hat sich gelohnt. Also lest Herz im Kopf, es ist eine Liebesgeschichte mit ungewöhnlichem Aufbau, aber an der Romantik fehlt es nicht.

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