Dienstag, 7. März 2017

Löwenflügel - Thalea Storm

Löwenflügel handelt von dem jungen Leo und seiner Klassenkameradin Maya. Leo ist ein recht sonderbarer Kerl, grenzt sich aus, will mit niemandem etwas zu tun haben und wirkt andauernd
nervös. Er wird schief angesehen, aber eigentlich weiß niemand, was er überhaupt hat. Bis auf Maya, die als Klassenbeste gebeten wird, sich seiner anzunehmen. Doch diesen Jungen wieder auf die Beine zu ziehen ist gar nicht so einfach. Nach und nach versteht Maya Leos Problem, eine soziale Phobie, und beginnt, ihm zu helfen. Leo findet in Maya eine neue Freundin und neuen Halt. Doch kann das Mädchen ihm tatsächlich helfen, diese Phobie zu besiegen, und ihm damit ein normales Leben zu ermöglichen? Denn das “Wir gegen den Rest der Welt” hat einen Haken.

Ich habe Löwenflügel natürlich mal wieder gefunden, indem ich Self-Publisher stalke :D. Es fasziniert mich, wie sie es schaffen, ihre Bücher selbst auf die Beine zu stellen und zu vermarkten. Löwenflügel hatte mich mit der Idee sofort, denn Panikattacken sind leider auch mir ein Begriff aus meiner Vergangenheit. Und es war mir eine Herzensangelegenheit zu erfahren, ob Leo es schafft, dieser Phobie zu entfliehen, und ob ausgerechnet Maya ihm dabei helfen kann. Denn so einfach, wie sie sich das vorstellt, ist es gar nicht. Ich sollte es wissen. Viele Menschen haben sich damals an mir die Zähne ausgebissen xD.

Die Geschichte beginnt für Maya und Leo in einem holprigen Kennenlernen. Wer ist dieser seltsame Kerl? Muss ich unbedingt mit dem zu tun haben? Der ist komisch. Auch Maya kommt nicht um die Vorurteile über Leo herum, setzt sich aber mehr mit seiner Lage auseinander, als andere es tun. Ihre Fürsorglichkeit hat mich jedoch mit Sorge erfüllt. Denn Leo ist tief in seinen Ängsten gefangen. Und als die Zwei sich näher kamen, da bekriegten sich erste Zweifel in mir. Kann das gut gehen?

Ich kämpfte mit beiden gegen die Eltern, gegen die Lehrer, gegen die verständnislosen Blicke und die unüberwindbaren Situationen. Thaleas Stil zieht mit in die Geschichte hinein. Man wird zu Leo oder Maya oder einem Dritten, der zuschaut und eigentlich auch nur helfen will. Ich war wohl eher der Dritte, denn so wirklich entscheiden konnte ich mich für keine der beiden Positionen. Ich konnte die Misere beider Figuren nachempfinden, fand aber selbst keine Lösung. Und genau deshalb ist dieses Buch gut für Menschen, die die Problematik nicht verstehen. Es öffnet die Augen. Zwar erst gegen Ende, denn dort steht eine Art “Lösung”, aber man lernt durch die gesamte Geschichte hinweg, sich in Leos Problem einzufühlen. Niemand da draußen versteht solche Menschen. Mich würde interessieren, ob mich die Geschichte nur derart bewegt hat, weil ich selbst teilweise Erfahrungen dieser Art gemacht habe, oder ob auch Menschen ohne jegliches Verständnis für Angststörungen und andere psychische Erkrankungen danach umdenken. Ich sollte wohl einmal die anderen Rezensionen danach durchforsten ;).

Bis zur Mitte hin war es eigentlich “nur” eine Geschichte, die auf das Verstehen zusteuert. Und dann… ja dann wurde es richtig spannend. Und schmerzhaft. Glaubt mir, ich habe eine Weile geweint. Das Buch hat mich später derart geschockt, dass ich danach erst einmal eine halbe Stunde nur im Stuhl gesessen und an die Wand gestarrt habe. Ich hatte nicht bemerkt, welche Verbundenheit ich beim Lesen mit der Geschichte und den Figuren entwickelt habe. Und in dieser Wendung hat sich all diese Verbundenheit in einem Schwall aus Tränen entladen. Und dann schnappte ich meinen Laptop und schrieb eine E-Mail an die Autorin. Voller Freude und Anrührung und Trauer. Ich musste die Worte aus meinem Herzen schreiben, denn sie waren mir wichtig und ich konnte es ja schlecht mit euch teilen. Dann hätte ich ja gleich die gesamte Story hier verraten können ^^. Thalea hat schnell geantwortet und mir noch einige Hintergrundinfos gegeben, zu der Bedeutung, die zwischen den Zeilen liegt. Und selbst wenn mir diese bereits nach dem Lesen von Löwenflügel klar war, es half noch mehr, zu verstehen. Und ich danke ihr sehr für ihre Aufrichtigkeit und vor allem für die Leidenschaft, die sie in Löwenflügel gesteckt hat.

Fazit: Lest es. Ich wünsche mir, dass mehr Menschen diese Dinge verstehen. Kaum jemand hört oder sieht mehr hin. Und mir streuben sich die Haare, wenn ich dann Schimpf und Schande von jenen höre, die unwissend ihre Mitmenschen in den Dreck ziehen. Schaut hin! Ihr werdet eine vollkommen andere Welt entdecken. Versteht! Ihr werdet es nicht bereuen. Und ein Verständnis von vielen bringt uns doch allen ein Stück weit dem Frieden näher :). Also tut euch und anderen den Gefallen und urteilt nicht, ehe ihr nicht versteht. Für jedes Verhalten gibt es Gründe.

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