Mittwoch, 26. April 2017

13 Reasons Why... **Mögliche Spoiler**

Ich habe heute morgen 13 Reasons Why zu Ende gesehen. Ich kann nur bestätigen, dass die Serie noch einmal besser ist, als das Buch. Weil sie so viel mehr beleuchtet. Sie zeigt so viele Facetten auf und was kann ich noch sagen? Die Serie zeigt keine Fiktion. Das ist Realität. Die meisten Menschen, die ich kenne, sind nicht wie Hannah Bakers Pseudo-Freunde. Die meisten Menschen, die ich kenne, liegen mir am Herzen und ich liege ihnen am Herzen. Wir sind füreinander da und haben auch einmal Streit, aber wir kommen darüber hinweg. Wenn nicht, dann trennen sich vielleicht Wege, aber daran enden keine Leben. Hannah Baker hat sich umgebracht. Und viele Menschen tragen eine Mitschuld.

Die Natur des Menschen verlangt, dass er sich selbst schützt. Die Natur des Menschen kann sehr grausam sein, denn er schützt sich oft auf die Kosten anderer. Ich habe in dieser Serie so viel Heuchelei und Selbstsucht gesehen, wie noch nie. Hannah Baker hat einen Überlebenskampf ausgefochten und sie besaß nicht die Waffen, ihn zu gewinnen. Sie besaß nicht die Macht, sich zu wehren. Und andere haben das ausgenutzt. Um selbst nicht schlecht da zu stehen.

Ich war schockiert, zu welchen Mitteln die Schüler gegriffen haben, um Clay zu stoppen. Clay, den einzigen, mit Gerechtigkeitssinn. Immerhin Alex ist mit der Zeit wach geworden, aber das war er schon lange, denn er hat gelitten. Er hat vielleicht zu sehr über seine Schuld gegrübelt, aber er hat sich immerhin Gedanken gemacht. Auch Sheri hat ihre Taten gestanden und Justin und Jess und Mr. Porter haben ebenso darüber reflektiert, wenn auch erst nach einer Weile. Andere vertuschen und leben mit der Last, reden sich ein, dass Hannah lügt. Ich wünsche ihnen, dass sie davon zerfressen werden. Denn heilsam ist am Ende nur die Wahrheit. Wer die Wahrheit sagt, wer sie sich und der Welt eingesteht, der ist wirklich mutig. Der steht zu seinen Fehlern und akzeptiert sie. Der schaut nach vorn und geht den Weg weiter. Der hält das Andenken der Opfer aufrecht und ehrt sie auf diese Weise. Er kann sie nie wieder lebendig machen. Aber er kann es in Zukunft besser machen.

Ich habe geweint. Ich habe geschluchzt. Übertrieben? Nein, das war Schock. Und Angst. Ich wollte den Fernseher anschreien, wollte den Menschen an den Kragen gehen. Die Serie hat einen Teil in mir berührt, der sich sehr verletzt fühlte. Ich sah, was aus der Sicht der Schuldigen wie kleine Hänseleien wirkte. Ja, vielleicht war es das auch für sie. Denn sie dachten nicht nach. Nicht über den Tellerrand. Es war halt Highschool. Das machen da alle durch. Ich sah die Masse der Taten, die das Fass zum Überlaufen brachten. Ich sah die Tränen auf Hannahs Wangen, die immer mehr wurden. Und mit Genugtuung sah ich bei einigen wenigen die Erkenntnis, dass es falsch war, so zu handeln. Nur Clay, er hatte diese Schuld am wenigsten von allen verdient. Seine einzige Schuld bestand darin, dass er sich nicht traute, drei kleine und doch so große Worte zu sagen. Und das ist keine Schuld, die Hannah ihm gab. Diese hat er sich selbst aufgelastet. Es tut mir leid für die beiden.

Wir hören nicht mehr zu. Nicht einmal ich höre gut genug zu. Es sind kleine Details. Keine sichtbaren Zeichen. Wer sterben will, dem sieht man es nicht an, bis er es sagt. So einfach und so kompliziert ist das. Wer nach Hilfe ruft, tut dies auf seine Weise. Oft unerkannt und unauffällig, sodass niemand den Schrei deuten kann, der ihn nicht kennt. Als würde man in der Nacht den Ruf eines Tieres vernehmen und weiß nicht, zu welchem er gehört und was er bedeutet. Es gibt nur eines, was wir tun können: Achtsam sein. Freundlich sein. Offen sein. Menschen einbinden. Ängste nehmen. Brücken bauen. Und auch: Ihnen helfen, dass sie den Schritt zu professioneller Hilfe wagen. Das hat 13 Reasons Why mich gelehrt.

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