Freitag, 14. April 2017

Der Dämon ist eine Katze

Was ist es, dieses schreckliche Unglück, das meine Finger von den Tasten zieht? Ich fühle mich wie ein Fähnchen im Atem der Depression. Der Zweifel an mir und meiner Umwelt verschlingt meine Fantasie und lässt einige wenige schwarze Buchstaben auf einem weißen Blatt Papier zurück. Zusammenhanglose Suppe, die von meinem Löffel als trieft und klebrige Flecken auf dem Schreibtisch hinterlässt. Wer bin ich?

Ich verstehe diese Waage der Emotionen nicht, deren Gleichgewicht ich auf eine harte Probe stelle. Überschäumende Glücksgefühle neigen die Wippe herab wie der herunter gezogene Wipfel eines Baumes, ehe er mit Schwung zurück zum Ausgangspunkt schlägt und dabei einige Sekunden auf der anderen Seite verweilt. Der dunklen Seite der Macht, wie man es nennen könnte. Diese Vorstellung erinnert mehr an einen Comic, als an das wahre Leben. Aber ich denke, dass Glück und Unglück unzertrennbar miteinander verknüpft sind. Auf das eine folgt stets das andere. Ein Kreislauf innerhalb der Seele, der mal mehr und mal weniger um den Verstand bringt. 

Stille. Leere. Ich will etwas tun, will es aber doch nicht. Ich wälze mich im Bett, weder mit Tatendrang noch mit der überwiegenden Faulheit bin ich zufrieden. Ich zweifle an Gott und der Welt, an mir, an meiner Beziehung, an meinen Freundschaften, an meinen Fähigkeiten. Ich bin überwältigt von Angst vor Verlust und suhle mich im Leid. Und irgendwann stehe ich auf und sitze wieder an meinem Schreibtisch und öffne das eine Fenster, das hinaus führt aus dem Dunkel: Word.

Während ich mehrere Minuten vor dem Bildschirm verharre, auf Inspiration warte und sie nirgends finde, tickt in meinen Gedanken eine Uhr rückwärts. Sie tickt zurück zum Ausgangspunkt der Waage, zurück in die Mitte. Ich kann das Klacken förmlich hören, wenn die Wippe einrastet und Glück und Unglück wieder im Gleichgewicht sind. Und dann gleiten meine Hände wie von selbst über die Tasten.

Ich spüre die Finger meines inneren Dämons noch immer an meiner Kehle. Bedrohlich streicht die kalte Kralle über meine Haut, über den Trauerkloß, der darunter anschwillt. Ich lasse den Dämon gewähren, schlucke den Kloß herunter und schreibe. Während die Kälte, die er ausstrahlt, bis in meine Knochen kriecht. Es ist ok, ein solch gefährliches Haustier zu halten. Er ist im Grunde wie eine Katze, die um Aufmerksamkeit schnurrt. Der Dämon ist nicht einverstanden mit diesem Vergleich. Aber wir lachen darüber. Gemeinsam. Und seht ihr? Es ist nicht einfach, den inneren Frieden im Gleichgewicht zu halten. Aber es ist doch am schönsten, wenn man ihn mit seiner inneren Katze teilt ;).

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