Freitag, 16. Juni 2017

Ein Herz aus Eis und Schnee

Die Hitze drückte seit Tagen auf Carlas Gemüt. Der Sommer schlug mit Temperaturen über der vierzig Grad Marke um sich und Schatten war Mangelware. Und bei diesem Dreckswetter musste sie nach draußen. Raus aus ihrer schönen, klimatisierten Wohnung, hin zur Arbeit. Ein Büro, das sicher noch einige Grade höher kochte, als die Sonnenbank der Außenwelt. Carla schüttelte den Ekel von ihren nackten Schultern. Entgegen dem üblichen Dress Code verzichtete sie einfach auf den schicken Business Look. Scheiß auf das Aussehen, es war verdammt heiß! Die weißen Shorts gaben den Blick auf den Ansatz ihres Hinterns preis und das Top ohne Träger hockte locker auf ihrer Brust, gehalten allein von Carlas angehaltenem Atem. Später würde es an ihrer Haut kleben und keinen Millimeter mehr verrutschen.
Mutig drehte die junge Frau den Schlüssel im Türschloss. Jede Sekunde würde ihr eine schwüle Wand entgegen schlagen und vermutlich die wundervolle Kälte der Klimaanlage aus der Wohnung saugen. 
Die Uhr tickte erbarmungslos an Carlas Handgelenk. Sie begann, die Zeit zurück zu zählen. Ihre Finger schlossen sich um den Türgriff. 
“Drei…”
Das kühle Metall begrüßte ihre vor Angst schwitzige Haut. Sie musste fest zugreifen, um nicht abzurutschen.
“Zwei…”
Langsam, nur um Millimeter, senkte Carla den Griff. Dass die Tür bloß nicht aufsprang, ehe sie bei der Null ankam.
“Eins…”
Ein Beben pulsierte durch Carlas Innerstes. Ein unangenehmes Kribbeln, wie die Taubheit, wenn man zu lange auf den eigenen Beinen gesessen hatte. Sie wollte nicht in dieser Hölle dort draußen Brutzeln!
“NULL!!!”

Carla riss den Türgriff mit aller Gewalt nach unten und stieß gegen das starke Metallgebilde. Warum ging sie nur so schwer auf? Die Frau stutzte, presste das gesamte Körpergewicht gegen die Tür und drückte sie mit Mühe auf. Ihr Blick huschte über den glänzenden Flurboden. Was zum Teufel…?
Eine Schicht aus Eis überzog das Treppenhaus. Wie in einer Schlittschuhhalle glitzerten die geschmirgelten Kristalle am Boden und den Wänden. Carla streckte den Kopf aus ihrer Wohnung und betrachtete die zugefrorenen Scharniere der Tür. Was zum Teufel war geschehen?
Vorsichtig setzte die Frau einen Fuß über die Türschwelle. Ihre nackten Zehen zitterten in den Riemchensandalen. Hastig zog sie das Bein zurück.
“Verdammt, es ist Hochsommer! Träume ich?”
“Guten Morgen, Schätzchen”, begrüßte eine fremde Stimme sie. Carla schreckte zurück und fiel rücklings in ihre Wohnung. Verwirrt schrie sie auf, als ihre vier Buchstaben sich mit dem Laminat trafen.
“Au, Mist! Wer war das?!”
“Ich. Also mal ehrlich, Sie haben einen interessanten Geschmack für Wohnungseinrichtung.”
Ein gehörntes Wesen blickte Carla durch den Türrahmen entgegen. Nur sein Kopf und der halbe Torso waren zu erkennen. Die graue Haut hob sich deutlich von dem blau-weißen Glitzermeer im Flur hinter ihm ab. Als der Fremde in die Wohnung trat, folgte jedem seiner Schritte eine Schneedecke. Seine nackten Füße hinterließen feuchte Spuren auf dem teuren Boden.
Carla schüttelte den Kopf. Wut erfasste sie. 
“Der Boden war schweineteuer! Wer wischt denn das wieder auf?!”
Der Fremde zuckte mit einer Augenbraue. Als könne er nicht glauben, dass sie gerade diese Worte gesprochen hatte. Dann breitete sich ein Grinsen über sein Gesicht. Er wirkte wie ein wilder Wolf, obwohl Wölfe ja keine Hörner trugen. Carla nahm seine Gestalt genauer in Augenschein. Er trug zerfetzte, schwarze Shorts, mehr nicht. Muskeln über Muskeln spannten sich auf dem trainierten Bauch und der Brust. Erstaunt glitt Carlas Blick bis zu seinem harten Gesicht, das nicht einmal durch das spöttische Grinsen weicher wurde. Ein Bartschatten zierte die Wangen und das Kinn. Am meisten faszinierten die eisblauen Augen, die neckisch funkelten. Carla schluckte. Was für ein Wesen hatte sie da in ihre Wohnung gelassen?
“Na, endlich verstanden, was hier los ist?”
“Ja”, seufzte Carla. Das Wesen nickte zufrieden.
“Ich schlafe offenbar noch.”
Plötzlich knickte der Fremde um und zeigte eine überraschte Miene.
“Nein!”, schrie er. “Ach verdammt, warum denken immer alle, sie würden nur träumen!”
Carla legte den Kopf schief.
“Es ist Hochsommer, Sie Vollidiot. Na immerhin muss ich diese Schneespur nicht aufwischen, wenn das nur ein Traum ist.”
Mit Zeigefinger und Daumen massierte das Wesen den Bereich zwischen seinen Augen. 
„Ihr Menschen seid tatsächlich begriffsstutzig. Ich hätte mich nicht auf diesen Quatsch einlassen sollen.“
„Pardon?!“, warf Carla erbost ein. Dieser Fremde spazierte einfach in ihren Traum hinein und brabbelte unverständlichen Nonsens. Innerlich flehte sie ihren Körper an, sofort aufzuwachen. Wie spät es wohl war und wann der Wecker endlich klingelte?
„Ich sagte…“
Weiter kam das Wesen nicht, denn plötzlich stand eine einmeterfünfundsechzig große Frau vor ihm, die mit dem Scheitel nicht einmal an sein Kinn reichte. Neugierig umrundete sie den Mann mit der grauen Haut.
„Immerhin habe ich Geschmack“, murmelte Carla und der Fremde schnaubte.
„Ist das zu fassen…“ Offenbar verzweifelt schüttelte er den Kopf. „Hör mal zu, junges Fräulein. Ich bin nicht den weiten Weg hier hergekommen, um dir deinen sehnlichen Wunsch nach ein wenig Abkühlung zu erfüllen, nur um dann verspottet zu werden. Ich bin kein Traum!“
„Aber ein Traummann. Naja, bis auf die Hautfarbe. Haben Sie es mal mit dem Sonnenstudio versucht?“
„Ok, das reicht.“
Flüche murmelnd machte der Fremde auf dem Absatz kehrt und trat zur Tür. Verwirrt schaute Carla ihm nach und betrachtete angetan das Muskelspiel zwischen seinen Schulterblättern. Dass er eine Spur aus Eis hinter sich her zog, wo er doch dermaßen heiß war, wunderte die Frau.
„Moment!“, rief Carla, kaum dass sie halbwegs zu Sinnen kam. „Sagen Sie mir wenigstens, wie Ihr Name ist.“
„Was spielt das für eine Rolle. Sie denken doch sie würden träumen.“
„Och verderben Sie mir doch nicht den Spaß. He, ich rede mit Ihnen!“
Stur ging der Fremde hinaus auf den Flur und nahm die Treppe abwärts. Carla stolperte über die Türschwelle, nur um dann beim ersten Schritt auf dem Glatteis in hohem Bogen durch das Treppenhaus zu fliegen. Mit einem lauten Schrei stürzte sie nach vorn. Sie sah in Zeitlupe, dass das Wesen sich umdrehte und die Augen vor Schrecken aufriss, ehe sie mit ihm zusammen stieß. Im Reflex umfing er ihre Taille und presste den zerbrechlichen Körper an sich. Als er gegen eine Wand stieß, keuchte er auf.
„Dieser Job ist härter, als ich dachte“, flüsterte er.
Carlas Augenlider öffneten sich flatternd. Die starken Arme lagen noch immer eng um ihren Körper. Der graue Mann war nicht so kalt wie das Eis es vermuten ließ. Die Frau glaubte fast, von einem Heizstrahler umarmt zu werden.
„Danke“, seufzte sie und verbarg dabei nicht ihr anzügliches Grinsen. Augenblicklich änderte Carla ihre Meinung. Warum sollte der Wecker noch gleich klingeln? Nein, lieber würde sie noch eine Weile in diesem recht realistischen Traum verbringen. Wenn sie recht überlegte, war das alles zu realistisch.
„Also… wer waren Sie noch gleich?“
„Der Name tut nichts zur Sache, Schätzchen. Ich bin ein Eisdämon.“
„Eisdämon?“, wiederholte Carla. Das Wort schmolz auf ihrer Zunge wie frisch geschlagene Sahne. Vorsichtig hob sie eine Hand, um die geriffelten Hörner auf dem Kopf des Mannes zu berühren.
„Deshalb also der eigenwillige Kopfschmuck. Kann man die abnehmen?“
„Nein.“
„Warum sind Sie grau?“
„Ich bin ein Eisdämon?“
„Würde Ihnen dann weiß nicht viel besser stehen? Ich meine weiß, Winter, Schnee…“
„Für einen Menschen redest du verdammt viel.“
„Für einen Dämon bist du ziemlich kurz angebunden.“
Der Fremde seufzte. Carla konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.
„Also kein Traum?“, fragte sie. Hatte dieser Mann tatsächlich den Sommer in ein Winter Wonderland verwandelt, nur auf ihren Wunsch hin? Wer war sie, dass ihr eine solche Ehre zuteilwurde? 
„Nein“, sprach das Wesen gedehnt. 
Gerade, als Carla sich an die Geborgenheit in seinem Griff gewöhnte, schob er sie unsanft von sich.
„Wenn du entschuldigst, ich habe zu tun.“
„Warte mal! Wo hast du zu tun? Was hast du zu tun?“
Plötzlich ging Carla ein weiteres Licht auf. „STOP!!!“, schrie sie ihm nach.
„Ja?!“, brüllte der Dämon sichtlich genervt. Seine eisblauen Augen funkelten wütend und das freche Grinsen war gänzlich von seinen Lippen verschwunden. Carla spürte die Kälte, die nun von ihm ausging, bis in ihre Knochen. 
„W-wer wischt nun mein Laminat?“, stotterte sie, die Arme um den frierenden Oberkörper geschlungen. Ein bisschen wärmer konnte der Eisdämon es doch nun machen, oder? Nur ein wenig die Temperatur ankurbeln.
Stattdessen verdrehte der graue Mann die Augen, wandte sich ab und ging weiter seines Weges. Carla folgte ihm. Langsam. Vorsichtig. Die Finger fest in das rutschige Treppengeländer gekrallt. Warum zum Teufel hatte sie nicht darauf geachtet, dass diese Immobilie einen Fahrstuhl besaß?
Nach zwei Stockwerken warf der Dämon einen eisigen Blick über die Schulter zu der Menschenfrau, die ihm folgte.
„Was?!“
„Ich bin nur neugierig“, entschuldigte Carla sich und schob die Mundwinkel ein klein wenig nach Oben. Ein schiefes Lächeln ohne direkten Draht zu ihren Augen. 
„Sag mir doch einfach, ob jetzt der Winter so bleibt oder ob ich das Gebäude in den nächsten Tagen mühsam von Innen auftauen darf? Nur so eine Frage, es ist ja nicht alltäglich, dass ein Eisdämon in deine Bude tritt und einfach alles einfriert.“
Der Dämon stöhnte und fasste sich mit der rechten Hand an die Stirn. Carla zog schuldbewusst den Kopf ein, als er murmelte: „Womit habe ich das verdient?“
„Wie bitte?“, fragte sie, aber der Fremde schüttelte den Kopf.
„Schon gut. Komm. Immerhin hast du mich gerufen. Ich muss es wohl aussitzen, bis der Tag zu Ende ist.“
„Bitte was?“
„KOMM!“, sprach er mit mehr Nachdruck. Carla zuckte zusammen, nickte und stakste dem Eisdämon schließlich nach.
„Darf ich deine Hand halten?“, fragte sie schüchtern, als sie das Wesen im Treppenhaus einholte.
„Wieso willst du mir das antun, Frau?“
„Es ist glatt. Willst du noch einmal mit mir eine Rutschpartie hinlegen?“
Ein schlagendes Argument, mit dem Carla siegte. Widerwillig streckte der Mann die Hand nach ihr aus.
„Aber nur, bis wir draußen sind.“
Carla kreuzte die Finger der freien Hand hinter ihrem Rücken und nickte zufrieden. Leider hielt sich die Begeisterung auf Seiten ihres vorübergehenden Partners in Grenzen.
Als Carlas Fuß zwei Stufen weiter unter ihrem Körper fort rutschte, griff der Fremde kurzerhand mit beiden Armen um sie und hob die Frau über die Schulter. Carla beschwerte sich nicht. Es war weder unbequem noch unwillkommen. Schließlich vermied sie auf diese Weise eine weitere, unglückliche Landung auf der Eisplatte.
„Wir sind da“, brummte der Mann, als sie durch die Haustür ins Freie schritten. Carla riss gebannt die Augen auf. Der Fremde ließ sie herunter und gab den Blick auf das wahre Winter Wonderland frei. Das übertrumpfte das Treppenhaus bei Weitem. Hatte dieser Eisdämon die gesamte Stadt für sie eingefroren? Aber warum? Es war so wunderschön! Die Hochhäuser glitzerten wie frisch geschlagene Eiskulpturen bei einem Kunstwettbewerb. An den Bäumen funkelten gefrorene Blätter und kugelrunde Tautropfen schmückten die Blumen in den Beeten wie Glasmurmeln. Die Stühle und Tische der Eisdielen, die im Sommer vor den Geschäften standen, wirkten wie geschmirgelt und poliert. Auch auf ihnen lag eine dünne Schicht vom Eis des Dämons. Der Schnee auf den Wegen war von reinstem Weiß, unberührt vom Schmutz der Menschen und dem Ruß der Autos. Kein Klümpchen Streusalz störte die Idylle. 
„Wir sind draußen. Warum hängst du schon wieder an meiner Hand, Frau?!“
Hastig ließ Carla von dem Dämon ab. Unbemerkt war ihre Hand in seine geglitten, nachdem er sie heruntergelassen hatte.
„Sorry. Macht der Gewohnheit. Also, wir sind draußen. Was nun?“
„Du wolltest meinen Namen wissen. Ich bin der Eisdämon Ethan.“
„Klingt ziemlich harmlos für einen Eisdämon.“
Ethan schnaubte. Er strafte Carla mit einem Blick, der vor Verärgerung nur so triefte. Die Menschenfrau kicherte, was allerdings nicht zur Schlichtung zwischen den beiden Beitrug.
Ethan nahm einen tiefen Atemzug und stieß die Luft sofort wieder aus. Als hätte er den Ärger einfach ausgeatmet, entspannte der graue Mann sich. Er war sogar wieder zu einem leichten Grinsen fähig. Carla spürte, wie er mit den Augen die Konturen ihres kleinen Körpers nachfuhr.
„Also…“, begann Carla vorsichtig.
„Also?“, wiederholte der Dämon Carlas Satzanfang.
„Was machst du hier?“, setzte die Frau ihre Frage fort. Wie ein Kind, gierig nach Antworten, musterte sie das fremdartige Wesen.
Ein Grunzen erhob sich aus Ethans Kehle, das beinahe ein Lachen sein konnte. Der Laut war derart bezaubernd, dass Carlas Herz einen Schlag aussetzte. Hatte sie in diesen wenigen Minuten mit Ethan bereits eine übertrieben Schwärmerei für ihn entwickelt? Offensichtlich passierte das mit gelangweilten Sekretärinnen, die außer dem Büro und der Wohnung nicht viel Aufregendes im Leben sahen.
„Ich habe dein Flehen bis nach Alaska gehört. ‚Bitte mach, dass diese Hitze aufhört!‘ Das ging mir irgendwann so sehr auf die Nerven, dass ich dir den Winter gebracht habe.“
„Du hast mich bis nach Alaska gehört? Das ist ziemlich weit. So laut habe ich sicher nicht gebrüllt.“
Nun brach Ethan doch in Lachen aus und Carla lief rot an. Hatte sie etwas Falsches gesagt? Hatte sie sich womöglich blamiert? Da traf sie einmal einen Typen zum Verlieben – gut, er hatte Hörner und war grau, aber was machte das schon – und dann trat sie in jedes, frei herumliegende Fettnäpfchen.
„Was ist?“, murmelte sie beschämt.
„Ich konnte deine Gedanken hören, Frau. Unfassbar. Als ich dich das erste Mal sah, dachte ich noch, dass das Schicksal eine ausgezeichnete Wahl getroffen hatte. Zumindest bis du geredet hast. Und nicht mehr damit aufhörtest.“
Carla schnaubte, fühlte sich beleidigt. Die Röte auf ihren Wangen wurde unterstrichen von erneuter Wut auf diesen frechen Kerl, der von Schicksal redete und von Alaska und…
„Warte. Schicksal?“
„Ja.“
„Sei präziser!“
„Nein.“
Enttäuscht schlug Carla nach Ethan, doch ihre Faust traf ins Leere. 
„Ich bin hier.“
Die Stimme hauchte unmittelbar in Carlas linkes Ohr, woraufhin ihre Blutbahnen von Strömen heißer Lava geflutet wurden. Wie schnell konnte dieser Typ von einem Ort an den anderen verschwinden?
„Sag es!“, jammerte die Menschenfrau. Mit dem Zeigefinger tippte sie Ethan mahnend auf die Brust und zog einen Schmollmund quer über ihre vollen Lippen. Nachdenkend runzelte der Dämon die Stirn. In den Furchen stand Verwirrung, die sich in seinen eisigen Augen wiederspiegelte. Carla vergaß ihre Frage und tauchte ab in die Tiefe des Eismeeres in seinem Blick. Nur ein klein wenig reckte sie den Kopf vor, erhob sich auf die Zehenspitzen und schloss dabei die Augen.
„Halt! Hier endet meine Komfortzone.“, sprach der Dämon. Beleidigt trat Carla zurück. Sie war offensichtlich soeben in die eisige Friend Zone verbannt worden. Als sie versuchte, ihn mit ihrem Zorn zu durchbohren, entdeckte sie eine vollkommen andere Regung in seinen Zügen. Sein Lächeln, es zeugte nicht länger von Spott. Sanftheit und Erheiterung las Carla in seinem Gesicht. Verwirrt legte sie den Kopf ein wenig zur Seite. Vielleicht konnte sie aus dieser Perspektive die versteckten Facetten des Mannes vor ihr besser sehen.
„Dämonen können die Gedanken ihrer Gefährtin über die gesamte Welt hinweg hören. Sofern die Gedanken stark genug rufen.“
„Hä?! Noch mal für begriffsstutzige Menschlein, bitte!“, lachte Carla. Ethan stimmte in diesen Anfall von haltloser Freude ein und brauchte eine Weile, die folgenden Worte zu finden.
„Du und ich. Gefährten. Geliebte. Nenn es, wie du willst. Ich bin auch nicht begeistert von der Wahl des Schicksals, du bist nervtötend, verrückt und…“
„Ich liebe den Winter. Läuft doch mit uns!“
„Was?!“
Ethan verlor einen Augenblick vor Schreck das Gleichgewicht und taumelte zwei Schritte nach links. Mit offener Verwunderung starrte er Carla an.
„Ich habe keine Lust mehr, in dieser Hitze in einem Büro zu brüten. Bin ich jetzt eigentlich auch unsterblich? In Geschichten sind Dämonen nicht nur heiß und haben Superkräfte, sie leben auch ewig. Heißt das, ich darf jetzt den Rest meines ewigen Lebens mit einem total scharfen Kerl verbringen, der mich nach allen Regeln der Kunst verführt und glücklich macht?“
„Kriege ich eigentlich auch etwas für meine Ansprüche?!“, brüllte Ethan halb lachen, halb zweifelnd gen Himmel. Der Ton zwischen den Zeilen hinkte, aber irgendwo hörte man doch Akzeptanz und Freude heraus. 
„Nein. Männer haben auch in der Dämonenwelt nichts zu melden. Na los. Ich will nicht zur Arbeit. Tau diese Stadt hier auf und dann nimm mich mit nach Alaska. Es gibt viel zu bequatschen!“
Carla stapfte voraus, obwohl sie wohl kaum zu Fuß bis nach Alaska gehen konnte. Der Atlantik war doch eine geringfügige Hürde. Sie zählte auf Ethan und seine dämonische Magie. Vermutlich konnte er sie beide einfach teleportieren.
„Wo bleibst du denn?“, fragte sie über ihre Schulter, warf ihrem Dämon ein keckes Grinsen zu und zwinkerte.
„Herr im Himmel, womit habe ich das verdient?“, feixte Ethan und folgte seiner Gefährtin, die unbewusst gen Osten lief.

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