Dienstag, 4. Juli 2017

Andernach schmeckt - Nach (Man)gold und Cupcakes

Ein Wochenende im Jahr besticht die Innenstadt von Andernach mit den köstlichen Düften von frisch gegrilltem Fleisch, süßen Backwaren und auch fruchtigen Cocktails. International geht es zu auf diesem Event der Geschmacksnerven, auf dem nicht nur die deutsche Küche eine Bühne findet. Ich konnte leider nicht an allen Ständen probieren, mein Magen war zu schnell vollgestopft mit Leckereien. Aber der Besuch hat sich gelohnt und er lohnt sich in jedem Jahr, denn wann sonst trifft man so viele bunte Menschen in der Heimat, wenn nicht auf diesen Veranstaltungen der Stadt Andernach (Auch zur Kulturnacht, zu der ich in diesem Jahr leider nicht gehen kann x_x)? Ich gehe gerne hin und schaue mir die Massen an, wie sie durch die Straßen flanieren und genießen. Und ich gehe mit ihnen und spinne im Kopf meine Geschichten, angeregt von der Stimmung auf dem Fest.


Der Ausflug begann mit einem Grummeln. Es war 13:00. Mein Magen knurrte und ich musste raus! Ich hatte die letzten Stunden in House of Night-Universum verbracht und war vollkommen ausgehungert. Wie gut, dass diese städtische Street Food Veranstaltung nicht weit von meiner Haustüre bereits auf mich wartete. Und dass mir ein guter Freund noch den (Man)gold am Stand des Rathauses angeprangert hatte. Das erste Ziel war also klar. Ich bewaffnete mich mit der Kamera, machte mich auf den Weg zu Manfred und Kollegen. Am Stand des Rathauses angekommen, fing zunächst etwas ganz anderes meinen Blick ein. Bunt bestrichene Brote in den Auslagekästen. Italienischer Frischkäse, Ingwer-Minze, Tomatenbutter und vieles mehr. Auf die Frage, ob ich gerne ein Brot hätte, musste ich nicht lange überlegen. Und ich bekam sogar drei, womit die Wahl aus der Fülle des Angebots schon gar nicht mehr so schwer fiel. Kurz darauf fand ich auch Manfred, der mich begrüßte und natürlich das Gespräch sofort wieder auf den (Man)gold lenkte, dessen Zutaten überwiegend aus der essbaren Stadt Andernach stammten. Außerdem hatte er ihn gemeinsam mit einem Kollegen am Vorabend mit viel Liebe und Mühe zubereitet. Der beste (Man)gold, den man sich vorstellen kann. Ich nahm gleich nach dem Brot ein Stück von dem in Blätterteig gehüllten Gemüse. Und ich konnte von diesem Stück kein Foto machen, so schnell habe ich es anschließend gegessen. Und so satt war ich. Aber ich ging nicht, bevor ich nicht wenigstens die fleißigen Damen und Herren am Stand einmal geknipst habe ;). Außer Manfred, der in diesem Moment außerhalb des Bildes stand. Aber den findet ihr auf seinem Blog mit Foto ;). 

Direkt nebenan gab es fruchtige Cocktails ohne Alkohol. Auf dem Weg zu meinem ausgiebigen Verdauungsspaziergang nahm ich prompt einen mit. Ich fühlte mich dezent übersättigt und schlenderte erst einmal in Richtung Museum, in dem es römisches Brot und Bratwurst gab, die ich aber in diesem Moment leider nicht essen konnte. Ich machte dann einen Schlenker über den Parkplatz, um die alten Traktoren zu bewundern. Schöne Maschinen, von denen ich keine Ahnung habe. Aber als Kinder sind wir immer sehr gerne darauf mitgefahren. Und ebenso schön fand ich später auch die Autos auf der Oldtimer-Ausstellung am Rhein. Irgendwie haben diese Kunstwerke aus einer anderen Zeit einen vollkommen anderen Zauber als die heutigen Karosserien, die eher schlicht und zweckmäßig als schick auf mich wirken. Ich mag das Markante an den alten Wagen, gerade das macht die Kunst für mich aus.

Im Garten an der Stadtmauer fand ich Reihum die Stände unterschiedlicher Andernacher Vereine, von denen ich zu meinem Erstaunen nicht viele kannte. Weltfremd in der eigenen Heimatstadt zu sein ist ein eigenartiges Gefühl. Man steht im Getümmel und kriegt nichts mit. Vielleicht schotte ich mich wirklich zu sehr ab und sollte mehr am Leben da draußen teilhaben. Andererseits wartet daheim ein aufmerksamkeitshungriges Gerät auf dem Schreibtisch, das mit Tastenanschlägen gefüttert werden will. Diese Computer sind eigenwillige Geschöpfe, besonders die mit einem Manuskript auf der Festplatte. Und das Zeitmanagement ist das eigenartigste Tier von allen, kann es doch nicht mehr als zu jammern. Aber ich schweife ab :).

Ich lauschte noch einen Augenblick der Musik der Band auf der Wiese und ging dann weiter, vorbei am Rhein zurück zur Buchhandlung Ankerbuch, die kürzlich in das alte Rathscafé eingezogen war und nun auch Kaffee und Kuchen anbot. Und Bücher. Eine tödliche Kombination, wie mein Geldbeutel ständig warnte. Aber ich blieb stark und gönnte mir statt einem Buch lieber ein paar Cupcakes, die leider so süchtig machen, dass ich nun wohl öfter dorthin muss und früher oder später dabei auch Bücher kaufen werde. Ein Teufelskreis, wenn auch ein willkommener. 


In der Buchhandlung traf ich dann Manfred wieder, der es sich dort zwischenzeitlich mit Isabel (hier ihr Blog ;)) gemütlich gemacht hatte. Seit wir uns im Andernacher Schreibkurs bei Gabriele Keiser kennen lernten, sind wir ein eingeschworenes Team von kreativen Köpfen. Und nicht nur Manfred und Isabel, auch die anderen Mitglieder der Gruppe machen den Andernacher Schreibkurs zu einem Highlight der Woche. Denn irgendwie sind wir über die Monate hinweg mehr geworden, als ein gewöhnlicher Schreibkurs. Gemeinsam genossen wir drei also einen Espresso Macchiato und viel zu leckere Cupcakes, die nach dem Verdauungsspaziergang nur gerade so Platz im Magen fanden. Der (Man)gold war ganz schön herrisch, was das betraf, räumte er den Backwaren doch nur wenig Raum zur Entfaltung ein, sodass ich auf dem Weg zum Museum dann den letzten Cupcake als Gebäck to go mitnehmen musste. 


Im Museum entspannten wir von den letzten Stunden, ließen uns dort auf den bequemen Palettenmöbeln nieder. Wir lachten und erzählten und ich schlürfte noch ein Andernacher Bier, denn Flüssigkeit stieß der (Man)gold nicht ab. Schade um den Cupcake, der den restlichen Abend neben mir auf den Paletten saß und darauf wartete, verspeist zu werden. Ich aß ihn dann, als ich schließlich zuhause ankam. Gesättigt von den Erlebnissen des Tages und irgendwie bar sämtlicher Emotionen. Aber es war keine depressive Leere. Es war die Gewissheit, dass ich einen Tag meines Lebens mit Freude gefüllt hatte und dass dieser Tag nun vorüber war. Eine Zufriedenheit im Geiste, Klarheit und der Wunsch, nun auszuruhen in vollkommener Stille in den eigentlich nie still stehenden Gedanken. Schlecht für die Arbeit am Manuskript. Gut für den Kopf ;).

Kommentare:

  1. Hey Tanja,
    ich freue mich gerade sehr über Deinen Bericht. Ich fand's auch richtig toll und bin froh, dass es auch Dir so gut getan hat. Deine Worte über unsere kleine, aber feine Gemeinschaft im VHS-Schreibkurs sprechen mir aus der Seele.
    Hach!

    AntwortenLöschen
  2. Hey meine Liebe,

    ich wundere mich gerade, wer denn von Schmökerbucht auf mein Blog guckt. :)
    Der Tag war wirklich toll und ich habe das gemütliche Zusammensein auf der Palettenliege, auf der wir beide ja (gerechterweise) einen Komfortbonus abgesahnt haben, ebenfalls sehr genossen.
    Und wenn Dich die Muffinsucht packt, sag Bescheid...diese Schokodinger!!!...mit Cremehütchen...und Zuckerperlen...(mein Schaaatz!)...

    AntwortenLöschen