Sonntag, 20. August 2017

Wellenrauschen

Auf einer Welle von Angst zu reiten ist nur halb so lustig, wie es in einem bunten Kopfkino vielleicht aussehen mag. Getrieben von den Gezeiten der unerschöpflichen Unsinnigkeit der eigenen Launen ist es nicht leicht, auch nur einen Krümel Sand vom heiß ersehnten Land zu sehen. Zu geschwollen? Zu metaphorisch? Unzähmbar wie der Ozean, oder wie auch immer man das beschreiben soll, was in

einem Kopf alles gleichzeitig geschehen kann. Ja, vielleicht sind die tausend Stimmen meiner Gedanken mit dem Tosen des Meeres zu vergleichen. Sie sind laut und unbeugsam gegenüber meinem Willen. Ein Wille, der mit zwei Leuchtstäben am Strand steht und wild fuchtelt, um die Wellen in ihrer Richtung zu weisen. Scherzkeks. Wellen sind keine Flugzeuge. In ihnen sitzen keine Kontrolleure, die die Ereignisse steuern. Wellen können sanft sein und liebevoll. Sie können hart sein und schmerzlich gegen die Felsen deiner Fantasie branden. Wenn ich mir ein klares Rauschen erhoffe, schenken sie mir immerzu das Schäumen und den Lärm. Tief darunter verborgen wartet die wahre Schönheit auf ihre Entdeckung. Dort, wo nur noch Schwärze wartet, wo das Blau selbst untergeht. Wo du nicht siehst, was auf dich lauert. Aber müssen wir uns vor dem fürchten, was wir nicht sehen können? Ich spüre die Kälte des Wassers und sehe das Nichts. Aber meine Ohren hören den Gesang von Walen und das Schnattern von Delfinen. Das Gleiten der Schwingen von Mantarochen durch den Widerstand der Strömung. Da unten, wo ich nicht fähig bin zu leben, nicht vermag zu atmen, kann ich frei sein.

Und obgleich das alles keinen Sinn ergeben mag, erscheint es mir gut und schlecht zugleich. Denn die Angst bleibt an meiner Seite und die Qualen mögen oftmals über die Schönheit siegen, aber wie die Wellen werde auch ich nicht gänzlich brechen. Denn eine Welle, die bricht, formt aus ihrem Wasser eine sanfte Flut mit weißer Krone. Und sie findet Land. Das tut sie immer.

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