Sonntag, 3. September 2017

FearZ - Überleben in der Endzeit

"Geschichten aus der Gruft"
Der hängt so in der Paintball Fabrik
Anmeldung ;).
Viele lieben die Serie "The Walking Dead". Aber wir wünschen uns doch sicher nicht, dass das tatsächlich mal passiert. Zombies im real life. Wie würde das denn Enden? Sicher wären wir nicht halb so cool wie unsere Helden, die seit vielen Staffeln schon in der Apokalypse ausharren, verfolgt von Untoten und anderen Überlebenden. Nur der stärkste siegt gegen den ärgsten Feind. Nein, ich will wirklich nicht, dass wir von Zombies überrannt werden und Tag für Tag ums Überleben kämpfen, Hunger leiden, Angst haben und keinen sicheren Ort mehr finden. Aber wenn ich nur zwei Tage lang in der Apokalypse überleben muss, mich nur zwei Tagen Schlafmangel und Hunger aussetzen muss, körperlicher und psychischer Belastung, dann reizt es mich doch, diesen Nervenkitzel zu suchen. Ich will nicht, dass es real wird. Aber ich liebe es einfach, zu spielen. Was nicht heißt, dass ich gut darin bin ;). 

FearZ fand am 1. September 2017 zum 4. Mal statt, in Simmern in der "Paintballfabrik Montabaur". Im März habe ich mir die Karte mit zittrigen Fingern auf der Tastatur ergattert. Die Tickets der Survivor waren schnell weg, viel zu schnell. Ich wollte nie Zombie sein. Wenn man alltäglich gegen die Dämonen im eigenen Kopf kämpft macht es für mich keinen Sinn, als ein Dämon herum zu schlurfen. Ich weiß seit dem Event natürlich, dass auch das Zombiedasein lustig ist. Ich durfte sie ja hautnah erleben. Sehr nah teilweise. Aber seit meiner Panikerkrankung bin ich wohl ein Sucher des Nervenkitzel. Ich suche die Angst und fordere sie heraus. Und was bietet sich da mehr an, als eine Apokalypse? Eine Sache, die alles mit sich bringt, was ich nicht kann. Wollen wir doch mal sehen, ob das dann wirklich so war.

Wie ihr auf der Homepage von FearZ nachlesen könnt, ist eine uralte und vernichtet geglaubte Krankheit wieder aufgetreten. Vieles war nicht bekannt. Die Forschung deckte Geheimnisse auf und die Menschheit wurde von einer schrecklichen Vergangenheit wieder eingeholt. Tote Körper richteten sich wieder auf und suchten die Lebenden heim. Menschen fraßen Menschen. Und es breitete sich immer weiter aus. Nur gezielte Treffer in den Kopf oder eine Enthauptung hielten die Toten davon ab, die Lebenden zu infizieren. Und dort begann auch unsere Geschichte...
Wir waren also die Survivor. Mit meinem Begleiter Manuel wagte ich mich unter die Untoten. Nicht ohne Waffencheck und Einweisung. Wir wollen doch die Zombies nicht wirklich töten. Ok, Schluss mit Lustig, es geht immerhin ums Prinzip. Ich erhielt meine Dog Tags und eine Notfall Trillerpfeife. Ironischerweise war ich die Nummer 007. Ein schlechter Scherz, aber immerhin blieb mir damit ein Trost, denn ich traute mir nicht viel zu auf dem Feld. 
Nach Anmeldung und Abgabe der mitgebrachten Waffen und auch dem Leihen einer tauglichen Schusswaffe (NERF-Gun) wurden wir an verschiedenen Eingängen auf das Spielfeld geschickt. Die Waffen hatte man zuvor auf zwei Hütten aufgeteilt, die natürlich erst gefunden werden mussten. Ich wollte eigentlich von meinem Anrecht auf einen Begleiter Gebrauch machen, doch dann wurde mir gesagt, dass das weitaus schwieriger wäre, weil man dann noch eher von den Zombies angegriffen wird. Ohne Waffe schien mir diese Option plötzlich nicht mehr so toll. Zumal mein Begleiter sicher schneller als ich das Weite gesucht hätte. Also rein in das Chaos mit schlotternden Knien und einem Herzen, das am liebsten aus der Brust ins Auto gesprungen und nach Hause gefahren wäre. Ich hatte keine Wahl. Der Mann von der Orga zuckte mit den Schultern. So lauten die Regeln. Na dann... 

Das Ächzen und Stöhnen auf dem Feld war erst mal so gar nicht mein Fall. Ich wusste, worauf ich mich eingelassen hatte. Ich hatte keine milden Erwartungen an dieses Spiel. Aber ich hatte trotzdem Angst. Ich durfte mich nur nicht beschweren. Ich war unbewaffnet und irgendwo auf diesem Feld lag mein Fleischerbeilchen. Eine kleine und klägliche Waffe, mein Schwert hatte man leider konfisziert, weil es zu hart war. Seid also immer vorsichtig bei der Wahl eurer LARP-Waffen! Aber zurück zur Apokalypse, ich entschied mich, erst einmal an den wenigen Zombies auf dem Weg vorüber zu laufen und ab in den Wald zu rennen. Die Monster schlichen verteilt auf dem Gelände, was es mir leichter machte, ihnen auszuweichen und unerwartet nicht sofort zu sterben. Ich verzog mich ins Gestrüpp und traf auf eine seltsam große Menge von Überlebenden, die sich um ein Häuschen versammelten. Das erste Lager befand sich sehr nah am Eingangspunkt. Leider waren genug
Selfie der ersten Horrornacht
Menschen dort, dass die Horde immer dichter wurde. Und wir waren alle unbewaffnet. Und es durfte immer nur einer in das Häuschen. Ganz großes Kino. Wir liefen also immer wieder auseinander, Böschung rauf, Böschung runter. Meine Hose war bereits nach wenigen Minuten total verdreckt. Ich versuchte, in der Nähe der Hütte zu bleiben. Mein Verhängnis, recht bald wurden ein paar von uns eingekesselt. Den meisten gelang die Flucht über einen steilen Hügel. Ich rutschte ab und wurde gefressen. Ein traumhafter Tod. Ich ging mit meinem OT-Tuch (Requisite die allen zeigt, dass man gestorben ist, damit man unbehelligt das Spielfeld verlassen kann) zurück zu meinem Einstiegspunkt. Als ich zurück kam, hatten bereits einige Survivor ihre Waffen und schützten die Waffenlosen. Ich gesellte mich in die Schlange und nach einigem Flüchten und Zurückkehren hatte ich endlich mein Hackebeilchen, das nur rein zufällig im ersten Haus lag. Und da es mir deutlich zu kuschlig wurde, verließ ich den Ort so schnell es ging.

Ich schloss mich immer wieder anderen Gruppen an auf der Suche nach Manuel, der an einem anderen Punkt das Feld betreten hatte. Es wurde ausgelost, wer wo einsteigt. Ich war Tor 3. Er war Tor 1. Wie sollte ich ihn ohne Orientierung finden? Nach dem ersten Tod schlug mein Herz regelmäßig, mein Atem ging leicht keuchend, aber nicht bedenklich. Ich war klar im Kopf und fokussiert, spürte den Stress kaum wusste aber, dass ich Angst hatte. Also lief ich weiter, blieb in Bewegung und suchte das nächste Händlerhaus. Ich hatte mein Beil, das war schon einmal gut. Ich hatte Munition ohne Schusswaffe. Auf dem Weg fand ich wie durch Zufall Manuel, der mit einer Gruppe unterwegs war. Ich blieb bei ihnen von da an. Und ich kämpfte selten selbst, denn mein Beilchen war doch ein wenig klein geraten und ich musste häufig die Erfahrung machen, dass Zombies nicht so einfach zu töten waren, wie es bei TWD aussieht.

PvP Hinterhalt: Ich trage meine Narben mit Stolz xD!
Am zweiten Händlerhaus liefen natürlich auch eine Menge Untote herum. Es war einfacher, sich durch den Wald zu bewegen, weil man sie dort besser abhängen konnte. Die Zombies agierten an sich wie in The Walking Dead. Mit Geräuschen konnten wir sie anlocken, aber sie kamen eher dann, wenn wir sie nicht haben wollten. Die Orga achtete gezielt darauf, dass große Gruppen von besonders vielen Zombies angegriffen wurden. So blieben wir an Tag 1 nur in Bewegung, wir rasteten kaum. In der Nacht wurde das Ganze dann zu einem wahren Spießrutenlauf. Ich hoffe, irgendjemand hat den nebligen Wald fotografiert oder gefilmt! Es war atemberaubend in der Dunkelheit durch den Wald zu rennen. Der Mond strahlte durch die Baumwipfel und so seltsam es klingt, ich konnte genug sehen, dass ich selbst mitten in der Nacht nirgends anstieß. Aber das war auch gar nicht so übel. Denn wer sollte mich sehen, wenn ich in der Ferne kaum sehe? Und nachts reicht die Nahsicht und das Gehör. Leider wurde ich dann von jemandem hinterrücks enthauptet. Die Spur seiner Polsterwaffe sieht man noch. Ich war dann eine Weile alleine unterwegs, getrennt von meiner Gruppe. Das war nicht spaßig. Ich schluckte die Verzweiflung und irrte umher. Ging über die Wege, die wir oft genommen hatten, blieb aber im Wald. Rein zufällig fand ich sie irgendwann, als ich gerade aufgeben und das Feld verlassen wollte. Ich war überglücklich und vertraute von da an meinem Bauchgefühl, was Orientierung betraf.

Später in der Nacht fand eine Masterquest statt. Es gibt im Lauf von FearZ verschiedene Aufträge, mit denen man sich Essen und Munition verdienen konnte. Ich verzichtete auf Essen, den Hunger spürt man tatsächlich kaum in solchen Stresssituationen. Aber irgendwann so gegen 1:00 Uhr war ich so erledigt, dass ich vom Spielfeld ging und (wie man sich aussuchen darf) im Auto schlief. Und das war verdammt ungemütlich und ich habe es bereut, auch wenn meine Psyche zu diesem Zeitpunkt wirklich sagte: "FICK DICH! Ich geh hier weg!" *HUST* Entschuldigt die Ausdrucksweise xD.

Am Morgen gab es ein neues Problem. Die Gruppe wiederfinden. Problem schnell gelöst, ich fand sie durch mein Bauchgefühl. Wir machten viele Quests, bei denen ich mehr als lästiges Anhängsel fungierte. Ich bekam zwar etwas von ein paar Vorräten ab, auch von Munition, wenn wir mal was verdienten, aber wirklich verdient hatte ich es nie. Ich bat nie um Essen, wenn jemand etwas hatte. Ich nahm mir eher wenig und nur, wenn es mir direkt angeboten wurde. Ich konnte tatsächlich nur einmal wirklich helfen, als wir blutige Konservendosen fanden. Ich hatte Reinigungstücher in der Tasche! Klar, als Frau packt man so einen Stuss zur Apokalypse ein. Aber es war äußerst nützlich in diesem Moment. 

Weapon of Choice... leider zu klein gegen Zombies ;(
Der zweite Tag war recht langatmig. Es geschah nicht viel. Erst gegen Ende, als es auf den Sudden Death zuging, das Grande Finale von FearZ, wurde es hektisch. Sogenannte Badgers machten Jagd mit NERF-Guns auf die übrigen Survivor. Wir rasten durch den Wald. Ein Mitglied meiner Gruppe wurde besonders gerne gejagt, aber das beruhte auf Gegenseitigkeit. Er hatte selbst eine Menge Spaß daran. Und ich schaffte es kurz darauf bei einer Hals-über-Kopf-Flucht tatsächlich, doch noch Opfer meiner Tollpatschigkeit zu werden. Ich flog über einen dicken Ast, in hohem Bogen, man gab mir später eine glatte 10er Wertung. Ich landete auf dem Oberarm, stieß mir beim Stolpern allerdings den linken Fuß und beim Fallen küsste leider auch mein Kopf noch den Boden. Aber nicht sehr stark, da ich das meiste mit der Schulter abgefangen hatte. Ich wurde zur Straße eskortiert und vom Sanitäter abgeholt. Und erst mal mit einem Cool-Pack und allerlei Medizinzeugs verarztet. Das geschah eine halbe Stunde vor dem Finale. In diesem Moment war alle Angst vergessen. Ich hasste es, jetzt womöglich dieses Finale zu verpassen. Und ich wollte nicht weinerlich sein. Geduldig wartete ich, bis die Kühlung des Cool-Pack nachließ, und ging zurück aufs Feld. Meinem Bauchgefühl folgend fand ich etwa fünf Minuten vor dem Finale meine Gruppe. Und dann heulten die Sirenen.

Wir rannten los und ich wusste nicht recht, wohin. Es gab diesen Punkt und wenn man ihn nicht fand, wäre man nach Ende des Sirenengeheul sofort tot. Und wir fanden den Ort rein zufällig wenige Meter von unserem Ausgangspunkt entfernt. Ein großer Kreidekreis. Nach einer kurzen Erklärung, dass der kommende Rettungshubschrauber nur drei Personen mitnehmen könnte, begann das Gemetzel. Wer starb, war raus. Von außen kamen Zombies auf uns zu und wir entschieden, dass wir erst die anderen Survivor, mit denen wir die letzten Stunden eher auf Kuschel- als auf Mord-Kurs waren, abschlachten sollten. Ich versteckte mich im Gerangel und plötzlich waren alle weg. Ich stand allein im orangenen Rauch der Rauchgranate, tötete dann aus Versehen einen Teamkameraden, killte einen Zombie und wurde von einem Untoten Postboten gefressen. Game Over for me. Aber es war doch verdammt spaßig.

Ich hatte nie zwei Tage wie diese erlebt. Ich konnte mich am Abend nach Ende kaum mehr bewegen. Meine Füße schmerzten höllisch, meine Arme und Beine taten weh vom Sturz. Ich bin mehrfach gestorben, habe mich als Anhängsel durchgeschlagen und habe nach dem Event erst mal gegessen. Und als ich heim kam, habe ich eine lange, heiße Dusche genossen und mir gedacht: Nächstes Jahr gehe ich vorbereitet dorthin. Und ich stelle mich erneut der Angst, denn sie hat mich eines gelehrt. Sie ist mein mächtigster Verbündeter. Warum? Angst kann Reserven im Körper und im Geist aktivieren, von denen wir nicht wissen, dass sie existieren. Vielleicht ist genau das der Kick. Und ausnahmsweise hat mich eine solche Verausgabung nicht überfordert, wie es sonst zur Zeit der Fall ist. Ich kann das nächste Mal kaum erwarten. Aber erst einmal muss ich zusehen, dass diese schrecklichen Schmerzen verschwinden. Mir tut echt alles weh x'D.

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