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Montag, 1. Januar 2018

Winter in Briar Creek - Olivia Miles

Grace kehrt nach fünf Jahren zurück in ihre alte Heimat, Briar Creek. Die Heimat, aus der sie auszog, um ihren Traum als aufstrebende Autorin zu verwirklichen. Der Traum erfüllte sich, doch mit der Zeit taten sich in ihrem neuen Leben in New York Abgründe auf, die sie nicht erwartet hatte. Nach der Trennung von ihrem Verlobten Derek und dem Flop ihres letzten Buches flieht Grace über Weihnachten nach Briar Creek. Eigentlich der letzte Ort, an dem sie sein will. Denn ihr Exfreund Luke lebt in dem kleinen Städtchen, in dem es unmöglich ist, sich nicht über die Füße zu laufen. Und dann erfährt Grace auch noch, dass der geliebte Buchladen ihres Vaters nach dessen Tod geschlossen werden soll. Wie soll über all diese Krisen das Weihnachtsfest noch gelingen, wo Grace doch auf genau diese stimmungsvolle Ablenkung durch ihre Familie gehofft hat?
Der Anfang des Buches hat mich nicht gepackt. Die Autorin hat viele Erzählungen mit in den Text einfließen lassen. Bereits am Anfang wurden einige Dinge aus der Vergangenheit aufgerollt, die Graces Verhalten und Denken parallel erklärten. Das erweckte den Eindruck, dass es später nichts mehr zu entdecken geben würde. Wenn alle Geheimnisse am Anfang gelüftet sind, was soll dann noch kommen? Aber es hat sich gelohnt, weiter zu lesen. Es blieb letztlich unerwartet viel übrig, das noch zu lüften war.

Grace Madison ist eine sehr strebsame Frau, die ein Ziel nicht aus den Augen verliert und Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um es zu erreichen. Ich mochte ihre Art sehr, ihren Kampfgeist. Nur im Hinblick auf Luke hat sie längst aufgegeben und nach allem, was ich nach und nach erfahren habe, konnte ich ihr das nicht verübeln. Es war eine Menge schief gelaufen zwischen den beiden. Die zweite Krise, der verstorbene Vater und sein Buchladen, hat mindestens ebenso in Atem gehalten, wie die Sache mit Luke. Der Tod des Vaters nahm die Familie Madison am ersten Weihnachtsfest ohne ihn sehr mit. Jede der Frauen - die Mutter und zwei Schwestern - nahm die Tragödie auf eine andere Weise mit. Zumal auch noch jede ihr eigenes Päckchen zu tragen hatte. Besonders Jane hat mich sehr traurig gemacht. Über die gesamte Geschichte hinweg hat sie wohl am meisten gelitten, gleich nach der Mutter Kathleen. Da konnte nicht mal Grace mithalten. Den sturen Kontrast bildete Anna, die mehr mit Grace gemeinsam hatte, als diese sich eingestehen würde. Alles in allem eine Familie, bei der sofort ein Heimatgefühl aufkommt, so zerrüttet sie durch die Situation auch waren. Denn zwischen den Zeilen liest man trotz allen Zweifeln noch den Zusammenhalt. Und aufgepeppt wurde das ganze durch die kleine Sophie, Janes Tochter. 

Luke Hastings. Ein Buch mit sieben Siegeln, vielleicht auch mehr. Grace war die Liebe seines Lebens und sie stellte ihn vor die Wahl: Mit nach New York kommen oder in Briar Creek bleiben. Damals war Graces Traum nicht das, was Luke für sich wollte. Und so ließ er sie ziehen und lebte sein Leben weiter, heiratete und blieb in seinem Geburtsort. Es überraschte nicht, dass beiden diese Trennung weh tat, vor allem die Art und Weise. Jeder fühlte sich auf seine Weise betrogen, jeder gab dem anderen die Schuld. Luke wollte mir die gesamte Geschichte über nicht so recht einleuchten. Schwankungen zwischen flirtfreudig und reumütig verwirrten mich dauerhaft. Bis endlich einmal herauskam, was diesen Mann überhaupt bewegte. Ein langer Weg, der nach dieser Erkenntnis sogar noch mal länger wurde. Unbelehrbarkeit bekam durch ihn eine verschärfte Bedeutung.

Die Geschichte selbst strotzte nur so vor Weihnachtsdekoration und Schnee. Plätzchen, heiße Schokolade mit Marshmallows, Lebkuchen, Schneemänner, Berge. Ich konnte die verschneiten und matschigen Straßen sehen, zwischen dem Hastings Diner und dem Fireside Café. Vorüber am leerstehenden Buchladen von Graces Vater bis zur Grundschule. Ich mochte die Atmosphäre, auch wenn ich durch sie nicht merklich in Weihnachtsstimmung geriet. Offensichtlich ist meine Mission "Ließ dich weihnachtlich" letztlich doch gescheitert, aber ich habe den Aufenthalt in Briar Creek dennoch genossen. Mit der Zeit konnte ich auch dem Schreibstil mehr abgewinnen, es wirkte nicht mehr so vorauserzählend wie zu Beginn. Wie sich die Puzzleteile nach und nach fügten, die Charaktere entwickelten und nach und nach endlich die Weihnacht in den erstarrten Herzen einkehrte, hat mir über die letzten Tage viel Lesevergnügen bereitet. Für mich keine fesselnde Geschichte, dennoch ein Buch, das sich um die Weihnachtszeit wirklich lohnt. Also wisst ihr, was ihr Ende diesen Jahres vielleicht mal auf die Leseliste setzen solltet ;).

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