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Sonntag, 29. Oktober 2017

Fremder Himmel von Dennis Frey

Meine erste Frage, als ich von Fremder Himmel erfuhr: Wann kann man das kaufen? Ich bin meines Zeichens recht verzweifelte Nachwuchs-Autorin mit zweifelhaftem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, aber einer im Gegensatz dazu immensen Schreibleidenschaft. Ich mache viele Fehler, obwohl ich bereits einige über die Jahre ausgebessert habe. Monas Geschichte hat mich angezogen wie ein Magnet. So überzeugt sie auch von ihrer Geschichte ist, sieht sie doch die Macken nicht. Mona ist betriebsblind. Aber das ist nichts, das man nicht mit einem kleinen Trip ins eigene Buch ändern könnte ;).

Als der dubiose Lektor Bragi in Monas Leben auftaucht und sie nach Kaemnor befördert, reagiert sie zunächst gar nicht wie erwartet. In ihrer Heimat Hamburg hatte sie bislang nur einen eher eingeschränkten Blick auf ihre Schreibarbeit. Aber wenn sie jetzt die Augen in Hamburg schließt, wacht sie in Kaemnor wieder auf. Und recht schnell erkennt sie, dass es gar nicht so übel gewesen wäre, ab und an mal einen Tipp von ihrem Prof. anzunehmen. Und um mal etwas zu den durch besagten Prof. gegebenen Tipps im Buch zu sagen: Die sind super!

Dennis Frey hat mich in unserem Interview schon ohne groß spoilern zu wollen vorgewarnt: Mona wird nicht reagieren, wie man es erwartet. Tatsache, das tut sie wirklich nicht. Ich werde euch nicht verraten, was passiert. So gerecht war Dennis schließlich auch zu mir. Aber es hat mich dann doch nicht so sehr von den Socken gehauen, wie ich nach dem Interview erwartet hatte. Denn Mona lernt man von Anfang an recht gut kennen. Ich habe vielleicht nicht mit der Reaktion gerechnet, aber ich konnte doch beim Lesen sagen: Passt zu ihr!

Ich hatte vor dem Interview mit Dennis tatsächlich Kaemnor falsch ausgesprochen, wortwörtlich K-A-E-M-N-O-R. Ich versuche es mal mit einer krummen Version von Lautschrift, wie es korrekt heißen soll: „Käimnor“. Ok, das liest sich noch scheußlicher, als es tatsächlich klingt. Aber vielleicht vermittelt es einen annähernd richtigen Eindruck ^^. Natürlich wollte ich wissen, wie irisch diese Welt ist und wie es Dennis überhaupt nach Irland verschlagen hat. Und es war mein erstes Interview überhaupt! Ich habe natürlich nicht aufgeschrieben, wie lange er schon dort lebt. Aber es war Liebe auf den ersten Blick, die sich bereits am Flughafen zeigte. Nach 2 Stunden wollte er nicht mehr fort, dabei war der ursprüngliche Plan, für ein Jahr zum Arbeiten nach Irland zu fliegen. So muss es sein, wenn ein Land zu einem Herzen spricht. Was natürlich umso deutlicher zeigt: Unsere Heimat ist nicht zwangsläufig das Land, in dem wir geboren sind. Heimat ist, wo dein Herz sich zuhause fühlt.

Nach dieser Erklärung fiel mir das Eintauchen in Fremder Himmel gleich noch leichter. Besonders, was die Bilder betrifft. Das Kopfkino fand sich sofort in der malerischen Landschaft Irlands wieder. Die „Grüne Insel“ machte in Gedanken auch Kaemnor lebhafter. Dennis sprach darüber, dass die Energie in seiner Heimat richtig auf die Brust drückt. Die magische Landschaft, die mystischen Geschichten, die Nähe zum Meer, das alles ließ mich recht schnell in Überlegungen an den nächsten Urlaub abdriften. Und ich habe mir bereits Fotos von der Ballycotton Bay angesehen, *träum*.

*Räusper*, zurück zu Fremder Himmel. Mona hat eine tolle Welt erschaffen, aber diese Welt hat einen Haken. Sie ist nicht so perfekt, wie Mona glaubt. Ich dachte am Anfang, dass ich auf eine Geschichte voller Lücken und Unlogik stoße. Falsch! Es ist viel, viel besser. Ich kann es euch nicht erklären, ohne zu spoilern. Aber dieses Buch könnte man genauso gut als Autorenratgeber verkaufen! Wie sehr würde ich mir wünschen, dass meine Welt mir mal Einlass gewährt, dass ich sie betrachten kann. Aber auf Bragi könnte ich in dieser Hinsicht wohl verzichten. Die anderen Charaktere sind mir schnell ans Herz gewachsen. Barbaren, Zwerge, Elfen. High-Fantasy, die ich eigentlich kaum lese. Aber in diesem Fall konnte ich schnell eine Beziehung zu den Figuren aufbauen, mit ihnen leiden und lachen.

Um noch einmal kurz zu dieser Ballycotton Bay zurückzukommen, könnt ihr euch ein Zimmer mit Blick auf das Meer und einen Leuchtturm vorstellen? Dort schreibt Dennis Frey am liebsten. Wohin schaue ich, wenn ich aus dem Fenster sehe… Straße, Laternen, Häuser… irgendetwas läuft hier gewaltig schief! Zugegeben, ich bin ein kleiner Neidhammel, aber in diesem Fall ist das sicher berechtigt ^^'.

Ich habe mich selbstverständlich auch sehr dafür interessiert, wie man von der Erschaffung einer unvollkommenen Welt auf die Idee kommt, die Geschichte einer Autorin drumherum zu schustern. Meine Vorstellung war dermaßen falsch, dass ich mich im Nachhinein darüber wundere. Die Wahrheit ist um Längen besser. Kaemnor war natürlich vor Mona da. Und die Welt entstand über einen Zeitraum von 16 Jahren im Rahmen eines RPG. Immer wieder erschlossen sich neue Fragen, die noch nicht geklärt waren. Kleinigkeiten, Details, Dinge, an die man nicht direkt denkt, weil sie in unserer Gegenwart selbstverständlich sind. Wir denken doch nicht daran, wie unsere Hinterlassenschaften verschwinden. Kanalisation, Müllentsorgung, wer macht sich denn darüber Gedanken? Dabei sind diese winzigen Details unvorstellbar wichtig für eine Welt. Stellt euch mal vor, wo wir ohne all das wären. Auf diese Weise wuchs Kaemnor stetig und irgendwann ist auch Mona in diese Idee eingeflossen. Inspiriert wurde Dennis Frey unter anderem von der Königsmörderchronik von Patrick Rothfuss, über die ich auch schon mehrfach gestolpert bin. Wenn mein SuB es zulässt, werde ich es mir vielleicht noch überlegen.

Die Rezension-Interview-Mixtur wird allmählich recht lang und mit der Zeit verliere ich mich in einem Knäuel von Details aus dicken Wollfäden. Wo war ich noch stehen geblieben? Um genau zu sein, passiert mir hier dasselbe wie beim Lesen von Fremder Himmel. Ich verliere mich in der Welt Kaemnor und so wirklich loslassen wollte ich es nicht. Die Figuren haben es mir angetan. Die Landschaft. Die Geschichten, die teilweise so gnadenlos gegen Mona gespielt haben. Kaemnor lebt und atmet und das habe ich zwischen jeder Zeile wiedergefunden. Und entsprechend enttäuscht war ich, als ich das Buch schließlich zuklappen musste. Die Sekunden darauf vergingen wie Stunden. Ich wollte das Buch nicht loslassen, habe es nach einer gefühlten Ewigkeit ins Regal gestellt und mir gesagt: „So will ich auch erschaffen.“

Vorsicht, möglicherweise Spoiler! Das Ende war genau richtig. Es hat mir nicht gefallen. Aber eben das macht es so gut. Ein Happy End gibt es in der Realität nicht. Irgendetwas läuft nie "Happy". Deshalb, vielen Dank für das gnadenlos realistische Ende. Mona hat mein Mitgefühl. Sie gibt viel auf für ihre Welt und die Menschen, die sie dort erschaffen hat. Aber sie wird ihr Glück finden.

(Spoiler Ende)
Aktuell hat Dennis Frey seine letzten Werke aus dem Self-Publishing Bereich ‚aus dem Verkehr gezogen‘. Ich wünsche ihm sehr, dass er Verlage dafür findet. Und sein neues Werk, das bereits einen Platz im Drachenmond Verlag gefunden hat, dürfen wir auch bald lesen. Wobei bald schwer zu definieren ist. Ein Jahr? Zwei? Drei? Ich bin gerne geduldig und warte auf den balinesischen Magier, denn Dennis Frey erschafft bevorzugt das, was es noch nicht gibt. Keine Neuauflagen von alten Themen. Inspiration findet er auf seinen Reisen, an vielen anderen, magischen Orten rund um den Globus. Fremder Himmel hat alle meine Erwartungen erfüllt und auch mit der ein oder anderen zu meiner Freude gebrochen. Und nach langer Zeit war ich endlich einmal wieder inspiriert und hatte neue Ideen. Farben im eintönigen Grau meiner Gedanken, das seit Monaten jedes Lachen trübt. Danke für das Licht! Es war verdammt dunkel zwischen den ganzen grauen Zellen :).