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Freitag, 23. Februar 2018

Dark Wings - Kat Reid

Fangen wir mal von hinten an mit den Rezensionen, nicht der Lesereihenfolge nach. Aus einem Impuls heraus, weil Dark Wings mich wirklich überrascht hat, und ich Überraschungen liebe. Aber erst einmal zurück zu dem Teil, um was für eine Geschichte es hier eigentlich geht:

Fio lebt ihren Traum, zumindest versucht sie es. Nach einer Ausbildung zur Goldschmiedin arbeitet sie selbstständig, verdient aber noch nicht an ihrem Schmuckgeschäft. Um ihren Lebensunterhalt dennoch zu sichern, kellnert sie in einer Bar. Eines Abends wird sie auf dem Heimweg von zwei unbekannten Männern angegriffen und von einem weiteren Unbekannten gerettet. Zac, ein wahrer Gott von einem Mann. Und er will nach dem Übergriff nicht mehr von ihrer Seite weichen, denn Zac hütet ein Geheimnis, das Fiona nicht mal in ihren kühnsten Träumen entschlüsseln könnte. Doch bald muss sie feststellen, dass kühne Träume tatsächlich wahr werden können und als sie erneut angegriffen wird, überschlagen sich die Ereignisse. Wer sind diese Männer, die ihr ständig nachstellen, und wer ist Zac? Was weiß er, wenn er sie schon nicht mehr verlassen will? Und warum fühlt sie sich so zu ihm hingezogen, obwohl sie ihn doch kaum einen Tag kennt?

Ok, ich habe Geschichten schon besser zusammen gefasst, aber ich kopiere nur ungern Klappentexte. Die Geschichte hat mich am Anfang noch nicht ganz so gepackt, wie es die Figuren taten. Der Einstieg ist leicht und angenehm. Nicht überstürzt, weshalb der Spannungsbogen erst mal langsam angezogen wird. Man lernt Fiona kennen, ihre Sorgen, ihren Alltag. Und man lernt Zac kennen, diesen sonderbaren Typen. Dass mich die Protagonisten dann in die Handlung zerren und mir all die Schatten- und Sonnenseiten zeigen, bis ich mich heimisch in ihrem Buch fühle, habe ich so auch noch nicht erlebt. Ich kann es mir selbst nicht erklären, wie ich so schnell eine Beziehung zu Fiona und Zac aufgebaut habe. Irgendwie herrschte von Anfang an eine schwer greifbare Sympathie, die mit der Zeit stärker wurde. Es schwebt eine Echtheit der Charaktere zwischen den Zeilen, die anders ist, als in meinen bisherigen Büchern. Das heißt nicht, dass alle anderen Bücher schlechte Figuren haben. Nein, hier fühlt es sich schlichtweg auf gute Weise anders an. Ich habe es schon in meinem Facebook-Post zum Buch mit Farben beschrieben. Von der Tristheit und dem Geheimnisvollen in den Farben des Covers, zu einer düsteren Grauschattierung, die zur Mitte hin heller wird und irgendwann in zartes Silber verläuft, bis sie schließlich zum Ende hin in einem strahlenden Gold mündet. Ich nutze die Atempause, mir für diese Formulierung auf die Schulter zu klopfen, und komme anschließend kurz zu den beiden Protagonisten ;).

Fiona wirkt auf mich zielstrebig, aber auch etwas scheu. Sie ist offen, aber vielleicht auch ein wenig misstrauisch, hat gleichzeitig ein sehr gutes Herz und kann scheinbar nur schwer Fremde abwimmeln. Zumindest, wenn diese sich so an ihre Versen heften wie Zac. Zac, mit seinen Sprüchen, der Frauenheld, der auch wie einer aussieht. Ich leide in dieser Hinsicht mit ihr, fällt es mir doch aus Nettigkeit selbst oft schwer, Menschen loszuwerden, die mich "belästigen". Wobei es ja gut ist, dass sie das bei Zac zugelassen hat. Und Zac kann ein ziemlich egoistischer Idiot sein. Ich weiß auch nicht, warum ich ihn am Anfang schon mochte, das war später gerechtfertigter. Wobei es mir die kleinen Sticheleien und Witze zwischen den beiden angetan haben. Diese kleinen Wortgefechte habe ich sehr genossen und das ist auch mit einer der Gründe für dieses "Gefühl", das ich im vorigen Absatz versucht habe zu beschreiben. Dieses "Andere".

Die Handlung selbst verlief erst mal in ruhigen Bahnen. Es passiert etwas, man erwartet, dass es noch öfter passiert. Irgendwie entstand bei mir zwischendurch der Eindruck, dass es bis zum Ende so weiter geht. Das hätte den Roman sehr eintönig gemacht. Ich wusste, die Figuren brauchen einen Tapetenwechsel, sonst wird das nichts mehr. Und ich sollte nicht lange darauf warten, dass die Achterbahn auf der Spannungskurve losfuhr. Es wurde unerwartet holprig und ich traf auf so einige Überraschungen, mit denen ich absolut nicht gerechnet habe. Diese hat Kat Reid clever eingebaut, ich merke mir die Art und Weise gern als kleinen Schreibtipp. Letztlich ist es doch so offensichtlich, dass man es nicht sehen kann ;).

Jetzt ein kleiner SPOILER, denn dazu solltet ihr das Buch gelesen haben. Und ihr solltet eine Manga/Anime-Serie kennen, dann versteht ihr den Effekt xD.

Zwischen dem ersten Drittel und der Mitte des Buches kamen mir mit mehreren Seiten Abstand zwei Fragen in den Sinn. Und die haben sich wirklich Zeit gelassen, sich zwischendurch mit einem Schulterzucken in die hinterste Ecke meiner Gedanken gesetzt und sind dann total hektisch und euphorisch aufgesprungen und ineinander gerannt.
  1. Ein komischer Zufall, dass Zac vor 20 Jahren gefallen ist und Fiona vor 20 Jahren den Pakt geschlossen hat. Das hängt doch zusammen? 
  2. Was wäre wenn der Schutzengel von Fiona auch der war, der damals Zac gerufen hat?

Kennt ihr diese Szenen in Detektiv Conan, wenn ein Blitz hinter seinem Kopf aufblitzt und sich die Puzzleteile zur Lösung fügen? Jetzt muss ich mich nicht mehr fragen, wie sich das wohl anfühlt xD.

Ach, und übrigens, Esther ist göttlich!

SPOILER ENDE

Irgendwie gehen mir jetzt langsam die guten Worte aus, viele schlechte fallen mir nicht ein. Ich hatte schließlich eine lange, unterhaltsame Lesezeit mit Dark Wings. Ich habe Kat Reid auf der Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr getroffen, damals war ich noch "nur" Twitterstalkerin. Ich könnte mich mittlerweile fast ein bisschen ohrfeigen, dass ich ihr Buch immer wieder aufgeschoben habe, weil mein SuB so riesig war (und ist). Ich bin bekehrt und wenn ich künftig ein Buch finde, dass ich lesen will, dann kaufe ich es verdammt noch mal und ziehe es auf der Leseliste vor xD! Also vielen Dank für Dark Wings, für die neue "Lesemoral" und für das kurze Treffen auf der Buchmesse, von denen es hoffentlich noch weitere geben wird :). Dann kann ich dir auch persönlich sagen, was mir gut gefallen hat ;).